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Harnwegsinfektionen an zweiter Stelle

28.05.2001
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PHARMACON MERAN

Harnwegsinfektionen an zweiter Stelle

PZ Harnwegsinfektionen stehen in ihrer Häufigkeit nach den Atemwegsinfektionen an der zweiten Stelle der Infektionserkrankungen. Nach Ulrike Teerling, Krankenhausapothekerin am St. Josefs-Krankenhaus in Paderborn, gehören sie zu den Erkrankungen, bei denen die Apotheker sich an der ambulanten Pflege im Sinne einer evidenzbasierten Medizin beteiligen sollten. Innerhalb eines Jahres erleiden mindestens 20 Prozent aller Frauen zwischen 20 und 54 Jahren eine Episode eines Harnwegsinfektes. Mit steigendem Alter nimmt die Inzidenz zu. Frauen sind viermal häufiger betroffen als Männer.

In über 80 Prozent der Fälle lassen sich die Infektionen auf Escherichia coli zurückführen. Daneben zählen Staphylococcus saprophyticus, Proteus mirabilis und andere Enterobakterien zu den Hauptverursachern. Generell gilt eine Keimzahl von mehr als 105 im Mittelstrahlurin als pathologisch.

Die Einteilung der Harnwegsinfektionen erfolgt entsprechend der Lokalisation der Infektion. Man unterscheidet deshalb die Zystitis von der Urethritis und der der Pyelonephritis. Für die Therapie ist entscheidend, ob es sich um einen unkomplizierte oder einen komplizierten Infekt handelt. Als komplizierende Faktoren gelten Schwangerschaft, Infekte bei Kindern unter zwölf Jahren, Harnwegsanomalien, Ureolithiasis, sowie chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus und der Einsatz von Dauerkathetern.

Typisch für einen Harnwegsinfekt sind Dysurie (akut auftretende Schmerzen bei der Miktion), Pollakisurie (häufiger und/oder imperativer Harndrang) sowie Schmerzen im Unterbauch. Bei Kleinkindern und alten Patienten können auch unspezifische Symptome wie eine Verschlechterung Allgemeinzustandes, Fieber, Bauchschmerzen, Kontinenzprobleme oder Nykturie auf einen komplizierten Harnwegsinfekt hinweisen.

Die bei einem Harnwegsinfekt einzusetzenden Arzneimittel und die Dauer der Therapie richten sich nach der klinischen Einteilung in unkomplizierte und komplizierte Infektionen sowie nach der Art der betroffenen Patienten (Schwangere, Kinder oder katheterisierte Patienten). Inzwischen sind von Fachgesellschaften entsprechende Richtlinien erarbeitet worden, die über deren Homepages im Internet abgerufen werden können

Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten steht an erster Stelle der medikamentösen Behandlung Trimethoprim, wobei die Therapiedauer inzwischen auf drei Tage verkürzt wurde. Vor einem ungezielten Einsatz von Fluorchinolonen warnte die Referentin. Gyrasehemmer sollten nur als Reserveantibiotika eingesetzt werden, da ansonsten die Resistenzen ansteigen könnten. Von Rückfällen spricht man, wenn innerhalb von vierzehn Tagen der Infekt wieder auftritt, von Rezidiven, wenn der Infekt sich nach vierzehn Tagen wiederholt. Rezidive werden als Neuerkrankungen angesehen und einer Kurzzeittherapie zugeleitet. Treten mehr als drei Episoden in kürzeren Abständen auf, sollte der Facharztbesuch empfohlen werden. Bei einer Pyelonephritis verlängert sich die Therapiedauer auf sieben Tage. In komplizierten Fällen sollte die Wahl des Arzneimittels stets nach einem Antibiogramm erfolgen.

Zwischen 2 und 4 Prozent aller Schwangeren entwickeln eine Bakterurie, die sich häufig (bis 30 Prozent) zu einer akuten Pyelonephritis weiter entwickeln kann. Deshalb ist jede Bakterurie, egal ob asymptomatisch oder symptomatisch, bei Schwangeren behandlungsbedürftig. Beim Einsatz von Medikamenten muss immer auf die mögliche Wirkung auf den Fetus geachtet werden. So dürfen Gyrasehemmer in diesen Fällen nicht gegeben werden.

Harnwegsinfektionen bei Kindern, auch vermeintlich unkomplizierte, beherbergen die Gefahr einer Narbenbildung im Nierenparechym mit möglichen Spätfolgen im Erwachsenenalter, wie Niereninsuffizienz, Hypertension und Nierenversagen. Deshalb sind alle Harnwegsinfektionen bei Kindern auch behandlungsbedürftig. Die Therapiedauer beträgt zwischen sieben und vierzehn Tagen.

Nosokomiale Infektionen sind meistens kathetervermittelt. 90 Prozent aller Katheterträger entwickeln nach Aussage der Krankenhausapothekerin einen Harnwegsinfekt. Eine frühzeitige und effiziente Therapie ist nach Meinung der Referentin wünschenswert und im Vergleich zu den Kosten, die durch Komplikationen auf Grund nicht ausreichender Behandlung verursacht werden, gesundheitsökonomisch betrachtet eher kostengünstig. Top

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