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Vor allem Frauen leiden an cholestatischen Lebererkrankungen

22.01.2001
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PHARMACON DAVOS

Vor allem Frauen leiden an cholestatischen Lebererkrankungen

PZ-Artikel

Zu den cholestatischen Leberkrankheiten, bei denen es sich um chronische Autoimmunkrankheiten der Leber handelt, zählt neben der primär sklerosierenden Cholangitis (PSC) die primär biliäre Zirrhose (PBC). "Wie alle Leberkrankheiten zeichnet sich diese durch eine dürftige Symptomatik aus, doch Pruritus und Müdigkeit sind hier wesentlich stärker ausgeprägt", erklärte Professor Dr. Ulrich Leuschner aus Frankfurt/Main.

Noch in den 80er Jahren erkrankten zwischen vier und vierzehn Menschen je 100.000 Einwohner an PBC. Inzwischen habe die Prävalenz jedoch zugenommen. Heute seien bei unbekannter Ätiologie rund 40 von 100.000 Einwohnern betroffen, bis zu 90 Prozent davon sind weiblich, berichtete Leuschner. Laborwerte wie die alkalische Phosphatase (AP), die Gammaglutamyltranspeptidase (GGT) und das Serumimmunglobulin M (IgM) seien stark, die Transaminasen (GOT und GTP) geringfügiger erhöht. Die Krankheit geht unbehandelt in eine komplette Zirrhose mit allen typischen Komplikationen wie Ösophagusvarizen, Aszites und hepatischer Enzephalopathie über.

Therapiert wird die PBC in der Regel mit Ursodesoxycholsäure (UDC), die bei einer Dosierung von 10 bis 15 mg pro kg Körpergewicht bei 30 Prozent der Patienten zu einer völligen Normalisierung der Laborwerte, bei 70 Prozent zu einer signifikanten Verbesserung, jedoch nicht zu Normalwerten führt. Die Behandlung, die lebenslang durchgeführt werden muss, verzögert die Entwicklung von Ösophagusvarizen. Die Patienten müssen seltener ins Krankenhaus und die Überlebensrate steigt. Auch die Zahl lebensnotwendiger Lebertransplantationen wird minimiert.

Neue Therapieform: Kombination mit Budesonid

UDC wird auch in der Therapie der PSC gegeben. Hierbei handelt es sich um eine progrediente fibrosierende Entzündung der intra- und extrahepatischen kleinen Gallengänge und des Leberparenchyms, die ebenfalls in eine Zirrhose übergeht und sich durch eine schlechtere Prognose als die PBC auszeichnet. Es kommt im Vorfeld der Leberzirrhose zur Vernarbung, zu Stenosen und Strikturen, zur aszendierenden Cholangitis sowie zur Entwicklung von Gallensteinen.

Als neue Therapieform für PBC-Patienten, die auf die UDC-Monotherapie nicht gut ansprechen, nannte Leuschner unter anderem die Kombination von UDC mit dem topischen Glucocorticoid Budesonid, die sich in einer prospektiven Doppelblindstudie an 40 PBC-Patienten bewährt hat. Spreche auch diese Kombination nicht an, könne man es mit einer Dreifachkombination aus UDC, Budesonid und Azathioprin versuchen.

Leuschner ging abschließend auf die Therapie von Gallensteinen ein, die er in drei Arten unterschied: die Cholesterolsteine (90 Prozent) sowie die sogenannten schwarzen oder braunen Pigmentsteine (10 Prozent), die auch als Calciumbilirubinatkonkremente bezeichnet werden. Therapiert würden solche Beschwerden mit einer peroralen Litholyse gegebenenfalls in Kombination mit der Stoßwellenlithotripsie oder einem operativen Eingriff. Lehnt der Patient diese Operation ab und lassen sich die Steine mit Hilfe der peroralen Litholyse zerstören, ist auch die Ursodesoxycholsäure in einer Dosis von täglich 10 bis 15 mg Mittel der Wahl, gegebenenfalls in Kombination mit Chenodesoxycholsäure. Der Referent verwies auf Rezidive, die sich bei 50 Prozent der Patienten entwickeln, aber in der Regel wiederum mühelos aufgelöst werden könnten. Top

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