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Brustkrebs in die Schranken weisen

14.06.2004  00:00 Uhr
.Pharmacon Meran 2004

Brustkrebs in die Schranken weisen

Dass bei 46 000 Neuerkrankungen jährlich 18 000 Frauen in Deutschland an einem Mammakarzinom sterben, belegt, dass inzwischen auf Grund des therapeutischen Fortschrittes zwei Drittel der Patientinnen geheilt werden. Mit dieser Botschaft stellte Professor Dr. Kurt Possinger von der Medizinischen Klinik der Humboldt-Universität Berlin, Charité Campus Mitte, zu Beginn seines Vortrags klar, dass ein diagnostiziertes Mammakarzinom heutzutage nicht unbedingt ein Todesurteil bedeuten muss.

Unter den Risikofaktoren für die Genese eines Mammakarzinoms steht das weibliche Geschlecht an erster Stelle. Darauf folgt das Alter, dass heißt, bei Frauen im Alter von 30 Jahren tritt nur ein Karzinom unter 2525 Frauen auf, bei 50-Jährigen ist das Verhältnis bereits 1:50 und bei 80-Jährigen 1:10. Auf Grund der demographischen Entwicklung sei es deshalb nicht erstaunlich, dass die Zahl der Mammakarzinome steigt. Zu den weiteren Risikofaktoren zählen die Größe, die familiäre Belastung, Krebsgene, Strahlenbelastung und die Lebensweise. Auch die Estrogenersatztherapie stellt einen Risikofaktor dar, unterstrich der Referent, wobei nicht Estradiol selbst, sondern das 4-Hydroxyderivat der Verursacher sei, da Radikale frei würden und Addukte mit der DNA entstünden, während der so genannte Methoxyschutz häufig geschwächt sei. Als einen wesentlichen Risikofaktor bezeichnete Possinger auch das Übergewicht. Eine Reduktion des Gewichtes reduziere gleichsam das Risiko, ein Mammakarzinom zu bekommen.

Eine effektive primäre Prävention erzielen Frauen daher, wenn sie diese Risikofaktoren beachten beziehungsweise vermeiden. So gelte es etwa, eine ausgewogene Ernährung mit ausreichenden Terpenen, Flavonoiden, Polyphenolen, Antioxidanzien und organischen Schwefelverbindungen anzustreben. Als medikamentöse Prävention nannte der Referent die Einnahme von Antiestrogenen wie Tamoxifen. In einer entsprechenden Studie aus den USA mit 14 000 Probanden traten in der Verumgruppe signifikant weniger Karzinome auf als in der Kontrollgruppe.

Der Referent betonte, dass ein Mammakarzinom kein aktuelles Geschehen sei, sondern der Krebs zehn Jahre benötigen kann, bis er ertastbar ist. In dieser Entwicklungsphase könne er bereits metastasieren.

In der Therapie steht die chirurgische Entfernung des Tumors nach wie vor an erster Stelle. Zur Nachbehandlung wird bestrahlt und eine Therapie mit Zytostatika beziehungsweise Antihormonen oder eine molekulare Therapie durchgeführt. Possinger ließ erkennen, dass er dem Estrogenentzug durch Aromatasehemmer, der Hemmung der Estrogenrezeptoren mit Antiestrogenen sowie der Hemmung und dem Abbau der Rezeptoren durch die neue Substanz Fulvestrant gute therapeutische Effekte zuschreibt. Dabei seien die Aromatasehemmer und Fulvestrant wirksamer als Tamoxifen, das eine Resistenz hervorruft.

Eine optimale adjuvante Therapie kann die Mortalität jährlich um 2 Prozent senken. Vernichtet werden dabei allerdings nur proliferierende Zellen. Da sich ruhende Zellen in proliferierende umwandeln, muss die Behandlung in Zyklen wiederholt werden. Possinger betonte, dass der Erfolg einer adjuvanten Therapie von der konsequenten Einhaltung der Dosis und der Intervalle abhängt. Weder dürfe die Dosis reduziert noch die Intervalle verlängert werden. Das gefährde den Therapieerfolg. /

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