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Innovative Inhalatoren

14.06.2004  00:00 Uhr
.Pharmacon Meran 2004

Innovative Inhalatoren

Inhalationsgeräte für die pulmonale Applikation sind nur so gut, wie der Patient mit ihnen umgehen kann. Eine regelmäßige Schulung und Fehlerkontrolle sind daher unabdingbar. Wichtig ist auch, für jeden Patienten das geeignete Gerät zu finden, so die Kernbotschaften von Dr. Eric Martin, Offizinapotheker aus Marktheidenfeld und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesapothekerkammer.

Medizinische Aerosole sind Staub- oder Nebelaerosole, die unmittelbar vor oder bei der Inhalation entstehen. Für die Therapie von Atemwegserkrankungen sind nur Teilchen zwischen 1 und 5 µm Größe relevant. Damit sich diese „am richtigen Ort“, nämlich in den tiefen Atemwegen abscheiden, muss der Patient die richtige Atemtechnik anwenden, erklärte Martin. Die Erzeugung von Nebelaerosolen erfordert eine langsame und tiefe Inhalation. Dagegen muss der Patient bei Pulverinhalatoren kräftig einatmen, damit die mikronisierten Wirkstoffpartikel durch einen hohen Einatemstrom von ihren Trägerstoffen abgelöst werden. Eine anschließende Atempause von fünf bis zehn Sekunden begünstigt die Sedimentation und Diffusion der Partikel.

Der Referent stellte den Kollegen sowohl marktgängige als auch neue Vernebler, treibgasbetriebene Dosieraerosole und Pulverinhalatoren vor. Die innovativste Entwicklung gab es bei den Verneblern. Im Gegensatz zu den üblichen elektrischen Geräten (druckluftbetriebene Kompressoren oder Ultraschallvernebler) funktioniert der Respimat® Soft Inhaler rein mechanisch und erzeugt ein relativ einheitliches, günstiges Teilchengrößenspektrum. Das handliche Gerät ist leicht zu gebrauchen, die Inhalation dauert nur wenige Sekunden. Dabei tritt kein Kältereiz auf. Der Füllgrad der Patrone kann leicht abgelesen werden. Wermutstropfen bei vielen Vorteilen: Das System steht nur für eine Fixkombination von Fenoterol und Ipratropiumbromid zur Verfügung.

Das FCKW-Verbot hat die Entwicklung von Dosieraerosolen deutlich gefördert, denn die Umstellung auf HFKW-Treibmittel wie Nor- oder Apafluran erforderte eine Neuanpassung der gesamten Systeme. Dabei erwies es sich als günstig, dass einige Wirkstoffe in Norfluran löslich sind: Die Partikel sind kleiner, das Größenspektrum enger und die Impaktionsverluste geringer. Die unerwünschte Deposition im Oropharynx nimmt ab, die erwünschte endobronchiale Ablagerung zu. Das heißt: mehr Wirkung, weniger Nebeneffekte.

Einen Innovationsschub hat das FCKW-Verbot bei den Pulverinhalatoren bewirkt. Durch den Atemzug des Patienten werden mikronisierte Arzneistoffpulver, die an Lactose als Träger gebunden sind, zu Staubaerosolen verwirbelt. Man unterscheidet wiederbefüllbare, mit Hartgelatinekapseln, Doppelfolienscheiben oder Pulverkartuschen zu beschickende Systeme und nicht wiederbefüllbare Geräte. Neue auffüllbare Geräte sind der Novolizer® und der MAGhaler®, auch Jethaler® genannt. Dagegen ist der Aktiv-Inhalator® ein Einmalgerät, das der Patient nicht erneut befüllen kann.

Bei der Vielfalt der verfügbaren Geräte ist eine gründliche Einweisung des Patienten nötig. Dafür müssten sich auch die Multiplikatoren schulen und solide Kenntnisse über die Arzneiformen erwerben. Solange noch keinen für alle Patienten optimalen Inhalator gibt, seien technische Innovationen nötig, um Effektivität und Verträglichkeit der pulmonalen Applikation zu verbessern, sagte Martin. /

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