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Tödlicher Cocktail im Passivrauch

14.06.2004
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.Pharmacon Meran 2004

Tödlicher Cocktail im Passivrauch

Tabakrauch enthält einen gefährlichen Cocktail aus krebserregenden Substanzen. Dieser schadet auch Passivrauchern, die den Rauch, den andere erzeugt haben, meist unfreiwillig einatmen. Nahezu die Hälfte aller Kinder in Deutschland ist gezwungen, passiv mitzurauchen, betonte Dr. Pál L. Bölcskei vom Institut für Raucherberatung und Tabakentwöhnung in München.

Stoffe wie Nitrosamine, Acrolein, Phenole, Acetaldehyd und Cyanwasserstoff können eine Vielzahl ernsthafter Erkrankungen von Atemwegsbeschwerden über chronische Bronchitis und Lungenemphysem bis hin zu Krebs verursachen. Doch auch drastische Preiserhöhungen und Aufdrucke auf den Zigarettenschachteln konnten nicht verhindern, dass das Einstiegsalter bei Rauchern weiter sinkt und mittlerweile bei elf Jahren liegt. Vor allem junge Mädchen und Frauen suchen immer häufiger den gesundheitsschädlichen Kick und haben die Männer in der Statistik überholt. Jede zweite Frau zwischen 18 und 20 Jahren raucht, informierte Bölcskei. Schwangere geben dies nicht gerne zu. Jedoch hält etwa ein Drittel der werdenden Mütter während der Schwangerschaft weiter am Glimmstängel fest. Ihre Kinder können langfristige und irreversible Schäden davontragen. Man weiß, dass Kinder mit pränataler Rauchexposition später eine signifikant schlechtere Lungenfunktion haben, öfter zum Arzt müssen und häufiger ins Krankenhaus kommen. Darüber hinaus ist der plötzliche Kindstod – Todesursache Nummer eins im ersten Lebensjahr – in zwei Drittel der Fälle auf Passivrauchen zurückzuführen.

Zudem ergab eine europaweite Befragung von mehr als 18 000 Personen zwischen 20 und 44 Jahren, dass Frauen, deren Mütter während der Schwangerschaft Tabakrauch ausgesetzt waren, häufig an Beeinträchtigungen der Atemwegsfunktionen leiden. Bei Männern führt eher das Passivrauchen im Kleinkindalter zu diesen Beschwerden. Bekannt ist, dass der Nachwuchs rauchender Eltern häufiger an chronischer Bronchitis oder Asthma leidet als Kinder von Nichtrauchern.

Um die aktive und passive Exposition zu objektivieren, kann der Kotinin-Gehalt in Urin, Blut, Speichel sowie in der Muttermilch herangezogen werden. Kotinin ist das Hauptabbauprodukt von Nikotin. Es konnte bereits belegt werden, dass Kinder mit erhöhten Kotinin-Serumkonzentrationen ein um 50 Prozent höheres Risiko haben, an Mittelohrentzündung (Otitis media) zu erkranken als Gleichaltrige mit einem niedrigen Kotinin-Spiegel.

Als Mogelpackung bezeichnete Bölcskei die so genannten Light-Zigaretten. Für sein Wohlgefühl brauche der Raucher einen bestimmten Pegel an Nikotin, erläuterte er. Die "leichtere" Zigarette verführe zu tieferen Inhalationen. Dadurch verbleiben die schädlichen Substanzen, allen voran Nitrosamine, längere Zeit in den Alveolen. Drüsenzellkarzinome beobachte man besonders häufig bei "light" rauchenden Frauen.

Rauchen wird als Sucht eingestuft. Daher reicht die bloße Kenntnis der Gesundheitsgefahren nicht aus, um Erwachsene vom Rauchen abzubringen. Bei Kindern und Jugendlichen hingegen könne Aufklärung dazu beitragen, dass Rauchen nicht erst zur Sucht wird. Das Programm "Fit fürs Leben. Wir sind dabei!" hat sich zum Ziel gesetzt, Schulkinder im kritischen Umgang mit Genussmitteln und Alltagsdrogen zu schulen. Zudem fördere es die Körperwahrnehmung und eine positive Einstellung zur Gesundheit und stärke Selbstwertgefühl und soziale Kompetenz der Kinder. Bölcskei sieht in solchen Konzepten eine große Chance, den Einstieg in die Raucherkarriere zu verhindern. /

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