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Arzeimittel in der Pipeline

14.06.2004
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.Pharmacon Meran 2004

Arzeimittel in der Pipeline

Ebenfalls traditionsgemäß referierte anschließend Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz von der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität über Arzneimittel vor der Zulassung.

So ist etwa Cinacalcet (Sensipar®) das erste klinisch relevante Calcimimetikum zur Behandlung des sekundären Hyperparathyreoidismus infolge einer Niereninsuffizienz. Die Substanz bindet an die Calciumrezeptoren der Nebenschilddrüsenzellen und bewirkt so eine signifikante Abnahme des Parathormons im Plasma. In den USA ist die Substanz bereits zugelassen.

Zur Therapie der koronaren Herzkrankheit (KHK) stehen zurzeit Betablocker, Calciumantagonisten und Nitrate zur Verfügung. Eine neue Klasse sind die If-Kanalblocker, deren erster Vertreter Ivabradin (Procorolan®) ist. Die Substanz blockiert selektiv die so genannten Funny-Ionen-Kanäle im Sinus- und AV-Knoten, die entscheidend an der Regulation der Herzfrequenz beteiligt sind. In einer Dosierung von täglich 5 bis 10 mg reduzierte Ivabradin in Phase-III-Studien signifikant die Zahl der Angina pectoris-Anfälle, berichtete Schubert-Zsilavecz.

Ebenfalls zur Behandlung der KHK steht der partielle Fettsäureoxidasehemmer Ranolazin (RanexaTM) kurz vor der Zulassung. Neben der Fettsäure- liefert die Glucoseverbrennung ATP für die Herzarbeit, jedoch bei geringerem Sauerstoffverbrauch. Das Wirkprinzip der neuen Substanzklasse beruhe nun darauf, dass durch die Blockade der Fettsäureoxidase das Gleichgewicht zur Glucoseverwertung verlagert wird, womit der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels sinkt.

Atrasentan ist der erste potente und selektive Antagonist am Endothelin-A-Rezeptor zur Behandlung des Prostatakarzinoms. Zusätzlich zur antiproliferativen Wirkung reduziert die Substanz auch Schmerzen bei Knochenmetastasen.

Mit Satraplatin steht das erste peroral verfügbare Platinderivat zur Verfügung. Die Substanz könne somit erstmals den Weg zu einer ambulanten Platintherapie ebnen, sagte der Pharmazeut. Zu Bedenken sei allerdings das hoch emetogene Potenzial. Während Cisplatin, Carboplatin und Oxaliplation Platin(II)-Verbindungen sind, besitzt Satraplatin ein vierwertiges Platin als Zentralatom, das im Organismus zu Platin(II) reduziert wird. Vor kurzem wurden Phase-II-Studien bei Patienten mit hormonresistentem Prostatakarzinom begonnen.

Neben Dolasetron, Granisetron, Ondansetron und Tropisetron soll mit Palonosetron (Onicit®) ein weiterer 5-HT3-Rezeptorantagonist zur Behandlung des Zytostatika-induzierten Erbrechens auf den Markt kommen. Einziger Vorteil dieser Substanz ist die im Vergleich zu den anderen Vertretern dieser Klasse sehr lange Halbwertszeit von 40 Stunden.

Einen neuen Ansatz zur Behandlung des Typ-2-Diabetes bietet das synthetisch hergestellte Polypeptid Exenatide, das an den Glucagon-like-peptide-1-Rezeptor (GLP-1) bindet und infolgedessen eine GLP-1-analoge Wirkung vermittelt. GLP wirkt abhängig von der Glucosekonzentration insulinotrop (Schubert-Zsilavecz: „ein mitdenkendes Hormon“), hemmt die Glucosesekretion, verlangsamt die Magenentleerung und reduziert die Nahrungsaufnahme. Nachteil sei der relativ rasche Abbau durch Peptidasen.

Insulin Detemir (Levemir®) ist vor wenigen Tagen zugelassen worden. Verglichen mit Insulin glargin (Lantus®) ist das neue Insulin-Analogon acyliert, was zu einer Bindung an Albumin und infolgedessen zu einer weiteren Verzögerung der Freisetzung führt. Eine weitere Option soll bald in Form des inhalativen Insulins (Exubera®) zur Verfügung stehen. Dieses zeichnet sich durch einen schnelleren Wirkeintritt als subcutan injiziertes Insulin aus. 1 mg inhalatives Insulin entspricht etwa 3 Einheiten des subcutan gespritzten Hormons. Daten zur Sicherheit zeigten bei Langzeitanwendung über zwei Jahre keine Veränderung der Lungenfunktionsparameter. Die neue Arzneiform eignet sich jedoch nicht für Raucher, da hier die Resorption nicht steuerbar und reproduzierbar verläuft.

Mit dem Life-Style-Medikament Rimonabant (Acomplia®) werde Sanofi-Synthélabo „seine Kriegskassen“ sanieren, sagte Schubert-Zsilavecz voraus. Der Cannabinoidrezeptorantagonist habe in der Phase-III-Studie RIO zu Adipositas einen „aufräumenden Effekt“ gezeigt. Im STRATUS-Programm wurde die Substanz in der Raucherentwöhnung geprüft. Insofern werde sie vermutlich unter dem Motto „Ausstieg aus der Nikotinsucht ohne zuzunehmen“ vermarktet. Rimonabant wird voraussichtlich 2005 auf dem europäischen Markt verfügbar sein. /

 

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