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Immunsystem ist Garant für Gesundheit

14.06.2004  00:00 Uhr
.Pharmacon Meran 2004

Immunsystem ist Garant für Gesundheit

Das enge Zusammenspiel von angeborener und adaptiver Immunität gewährleistet die Gesundheit der Menschen in einer Umwelt, die immer auch lebensbedrohliche Krankheitserreger enthält. Dies war die Botschaft von Professor Dr. Klaus Resch, Leiter des Instituts für Pharmakologie an der medizinischen Hochschule Hannover.

Die angeborene Immunität ist „uralt“. So konnten schon Amöben, primitive einzellige Organismen, Fremdstoffe phagozytieren, durch Abbau eliminieren und sich so in ihrer Umwelt behaupten. Die angeborene Immunität ermöglicht eine schnelle, allerdings nicht sehr spezifische Immunantwort auf Krankheitserreger, erläuterte der Mediziner. So basiert der Erkennungsmechanismus von Fremdstoffen auf dem groben Prinzip „Was bin ich selbst, was ist fremd?“. Anschließend erfolgt die Abwehr vor allem durch Phagozytose, Inaktivierung und Elimination. Dabei funktioniert die angeborene Immunabwehr immer gleich –unabhängig davon, ob ein Erst- oder Wiederholungskontakt mit einem Antigen vorliegt.

Irgendwann im Laufe der Evolution war die angeborene Immunität scheinbar nicht mehr in der Lage, einen ausreichenden Schutz zu gewährleisten, mutmaßte Resch. Mit den Wirbeltieren trat ein völlig neues Abwehrsystem auf. So waren Knorpelfische die ersten Lebewesen, die sich mithilfe der adaptiven Immunität zur Wehr setzten. Diese besitzt zwei entscheidende Vorteile gegenüber der angeborenen Immunität. Zum einen ist sie hoch spezifisch, zum anderen besitzt sie ein immunologisches Gedächtnis. So können Lymphozyten, die zellulären Träger dieses komplexen Abwehrsystems, mehr als 108 unterschiedliche Antigene erkennen. Das Vorkommen der Gedächtniszellen ermöglicht überhaupt das Prinzip von Impfungen.

Um Antigene erkennen zu können, benötigen B-Lymphozyten als Antigen-Rezeptoren Immunglobuline und T-Lymphozyten T-Zell-Rezeptoren. Dabei erkennen die Immunglobuline der B-Lymphozyten die Antigene in ihrem angeborenen Zusammenhang, so zum Beispiel auf der Oberfläche von Bakterien. Dagegen sind T-Lymphozyten die Feinschmecker des Immunsystems, so Resch. Komplexe Antigene müssen zunächst in Antigen-präsentierenden Zellen zerlegt, die gebildeten Peptide an bestimmte Moleküle gebunden und an der Zelloberfläche präsentiert werden.

Da jeder einzelne Lymphozyt nur einen Rezeptor mit einer einzigen Spezifität trägt, bedarf es theoretisch zur Antigenerkennung mindestens ebenfalls 108 verschiedener Rezeptoren. Allerdings würde eine Vererbung dieser Vielfalt das Genom sprengen, so Resch. Vielmehr entsteht dieser enorme Bestand vor allem durch die Kombination einzelner Genelemente während der Lymphozytenreifung. Dadurch erhalte man eine Repertoire gegen ungefähr 1014 unterschiedliche Antikörper.

Treffen B-Lymphozyten auf „ihr“ Antigen, sezernieren sie Immunglobuline (humorale Immunreaktion). Als Erst-Antikörper wird IgM gebildet, der wirksam gegen Bakterien, aber auf Grund seiner Größe nicht gewebegängig ist. Nachfolgend wird das sehr viel kleinere IgG sowie IgA, IgE und IgD synthetisiert.

Bei dem als Th-1/Th-2 Paradigma bezeichneten Regulationsmechanismus (zelluläre Immunreaktion) entstehen aus einer Vorläuferzelle Th-1- und Th-2-Zellen (T-Helfer-Zellen). Th-1-Zellen setzen Interleukin 2 (IL-2) und Interferon gamma frei und aktivieren dadurch die Bildung von zytotoxischen T-Zellen. Th-2-Zellen sind durch Freisetzung von IL-4, IL-5, IL-6 und IL-13 an der Bildung von Antikörpern beteiligt.

Adaptive und angeborene Immunabwehr greifen eng ineinander, informierte der Immunologe. So können zum Beispiel von B-Lymphozyten gebildete Antikörper an die Rezeptoren der Zellen der angeborenen Immunität binden und auf diese Weise eine Phagozytose einleiten. Die adaptive Immunabwehr ermöglicht dem Menschen eine flexible Anpassung an veränderte Bedingungen der Umwelt und unterschiedliche Krankheitserreger. Dennoch blieben Defekte nicht aus, wie das Auftreten von Autoimmun- und chronisch entzündlichen Erkrankungen zeigt. Dies sei der Preis, den wir dafür zu zahlen haben, so Resch. /

 

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