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Ähnliche genetische Wurzeln

15.09.2003
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Schizophrenie und bipolare Störungen

Ähnliche genetische Wurzeln

von Christina Hohmann, Eschborn

Die beiden häufigen neurologischen Erkrankungen Schizophrenie und bipolare Störungen (manisch-depressive Erkrankung), haben vermutlich ähnliche genetische Ursachen. Die Aktivität spezifischer Gene, die für die Myelin-Produktion im Zentralnervensystem verantwortlich sind, ist in den Gehirnen der Betroffenen stark reduziert.

Seit Jahren gingen Mediziner davon aus, dass Schizophrenie auf Neurotransmitter-Störungen zurückgeht. Hauptargument für diese These ist, dass die Betroffenen gut mit Neuroleptika zu behandeln sind. Neueren Erkenntnissen zufolge sind aber vermutlich defekte Gehirnzellen die Ursache der Erkrankung. Die als Oligodendrozyten bezeichneten Zellen, die die isolierende Myelinschicht bilden, sind danach in ihrer Funktion gestört.

Die Expression von mindestens elf Oligodendrozyten-spezifischen Genen ist in den Gehirnen von Schizophrenie-Patienten reduziert. Dies berichten Forscher um Sabine Bahn vom Brabraham Institute in Cambridge, Großbritannien, in der Fachzeitschrift The Lancet vom 6. September (362, Seiten 789 bis 805). Die Wissenschaftler verglichen die Expressionsmuster der konservierten Gehirne von 15 Schizophrenie-Patienten und 15 Personen mit bipolaren Störungen mit denen von 15 gesunden Menschen. Die Untersuchung zeigte, dass die Aktivität der wichtigsten Oligodendrocyten- und Myelin- spezifischen Gene stark unterdrückt war - und dies sowohl bei den Schizophrenie-Patienten als auch bei den Manisch-Depressiven.

Durch die veränderte Genaktivität in den Oligodendrozyten ist vermutlich die Signalübermittlung gestört, vermuten die Wissenschaftler. Sind neuronale Schaltkreise betroffen, die Gedächtnis und Emotionen kontrollieren, kann es zu Symptomen der Schizophrenie oder von bipolaren Störungen kommen. Bahn sieht in ihren Ergebnissen starke Hinweise darauf, dass den beiden neurologischen Erkrankungen „dieselbe Pathophysiologie“ zu Grunde liegt. Top

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