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Neues Projekt soll Frühgeburten verhindern

29.09.2003
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Neues Projekt soll Frühgeburten verhindern

PZ  Mehrere Krankenkassen starten zum 1. Oktober mit einem neuen Modellvorhaben, das die Frühgeburtenrate senken soll. Im Zentrum der Kampagne steht ein Selbsttest, mit dem Schwangere den pH in der Scheide bestimmen können. Unabhängig vom Arzt können die Frauen zu Hause prüfen, ob bei ihnen der Verdacht auf bakterielle Vaginose besteht – die häufigste Ursache für Früh- und späte Fehlgeburten.

An dem Modellvorhaben beteiligt sind die Kaufmännische Krankenkasse (KKH), die Barmer Ersatzkasse (BEK), die Techniker Krankenkasse (TK) und Hamburg Münchener Krankenkasse (HMK). Sie bieten ihren Versicherten die Früherkennungsuntersuchung kostenlos an. Dabei misst die Schwangere zweimal pro Woche ihren vaginalen pH-Wert. Dazu benutzt sie einen Handschuh, der an der Spitze des Zeigefingers mit einem kleinen Teststreifen präpariert ist. Dessen Farbe vergleicht die Frau anschließend mit einer Farbskala. Ist der pH-Wert wiederholt zu hoch, deutet dies auf eine Infektion hin, und die Schwangere sollte ihren Arzt aufsuchen. Auf diese Weise lassen sich drohende Scheideninfektionen viel früher als sonst erkennen und können rechtzeitig durch den Frauenarzt behandelt werden.

Die Auswertung des Modellprojekts soll zeigen, ob die Zahl der Frühgeburten deutlich sinkt, wenn die schwangeren Frauen den Testhandschuh regelmäßig verwenden. Gemeinsames Ziel der Versicherungen ist es, den Handschuhtest in die Mutterschaftsrichtlinien für alle gesetzlich Versicherten aufzunehmen.

Als Initiatorin des Projektes bietet die KKH ihren Versicherten das Test-Set (CarePlan® VpH) bereits seit anderthalb Jahren an. Die Ergebnisse dieser Pilotphase seien viel versprechend, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der vier Krankenversicherungen. So sank die Rate der Babys, die mit einem Gewicht von unter 1000 Gramm zur Welt kamen, um mehr als ein Drittel. Der Anteil der Frühchen mit einem Geburtsgewicht bis 1500 Gramm ging sogar um 38 Prozent zurück. Auch die Erfurter und Thüringer „Frühgeburten-Vermeidungsaktion“, zwei weitere medizinische Studien aus den vergangenen Jahren, belegen den Nutzen des Test-Sets. Danach verringerte sich besonders die Zahl der Frühgeborenen, die mehr als acht Wochen vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt kommen.

Mit einer Prävalenz von circa 20 Prozent ist die bakterielle Vaginose in der Schwangerschaft die vermutlich wichtigste vermeidbare Ursache für eine vorzeitige Geburt. Sie beginnt häufig mit einer Störung des vaginalen Milieus, verläuft dann zunächst asymptomatisch und kann später über Entzündungsprozesse zu einer Frühgeburt führen. Top

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