Pharmazeutische Zeitung online

Mit Informationen Leben erleichtern

25.04.2005
Datenschutz bei der PZ
Selbsthilfe

Mit Informationen Leben erleichtern

von Ralf Denda, Berlin

Zeigen, wie man mit psychisch Kranken lebt, aufklären, informieren, helfen das sind die Kernpunkte der Arbeit der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie. Eine weitere Patientengruppe, mit der Apotheker täglich in Kontakt kommen, sind demente Menschen, für die sich die Deutsche Alzheimer Gesellschaft stark macht.

Psychische Probleme kann jeder bekommen. So erkrankt etwa jeder Dritte einmal im Lauf des Lebens psychisch, jeder Zehnte muss deswegen in einer Klinik behandelt werden. Und zu den zehn Volkskrankheiten, die die Lebensqualität am stärksten einschränken, gehören allein fünf psychische: Depressionen, Zwangsstörungen, bipolare Störungen, Alkoholabhängigkeit, Schizophrenie.

Laut Krankenkassendaten zur Arbeitsunfähigkeit nehmen in den letzten Jahren psychische Erkrankungen und seelisch bedingte somatische Erkrankungen wie Angststörungen, Depression und bipolare Erkrankungen verstärkt zu. Darüber hinaus wird eine hohe Dunkelziffer angenommen. Denn viele Betroffene nehmen keine ärztliche Hilfe oder die Unterstützung von Selbsthilfegruppen in Anspruch ­ vielfach mit der Folge, dass Befindlichkeitsstörungen sich zu manifesten psychischen Erkrankungen entwickeln und inzwischen gut behandelbare Krankheiten chronifizieren. Häufig werden psychische Störungen auch nicht von den Ärzten erkannt, was dazu führt, dass sich eine erhebliche Anzahl psychischer Störungen unter den somatischen Erkrankungen der Arbeitsunfähigkeitsdaten wiederfindet.

Die Scheu der Betroffenen, sich helfen zu lassen und damit die Krankheit einzugestehen, ist häufig mit der Stigmatisierung begründet, mit der psychisch Erkrankte und ihre Angehörigen behaftet sind. Um ein verständigeres, informiertes Umfeld zu schaffen, hat die Familien-Selbsthilfe Psychiatrie in Kooperation mit der Selbsthilfe-Fördergemeinschaft der Ersatzkassen die Kampagne »Mit psychisch Kranken leben« ins Leben gerufen, die vom Deutschen Apothekerverband, der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin, dem Früherkennungs- und Therapiezentrum für Psychosen Berlin-Brandenburg sowie der Berliner Charité unterstützt wird. Ziel ist es, psychische Probleme und Erkrankungen aus ihrem gesellschaftlichen Nischendasein zu holen, über Warnzeichen und Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, Beratungs- und Selbsthilfeangebote bekannt zu machen sowie über Möglichkeiten eines angemessenen Umgangs mit erkrankten Menschen aufzuklären. Das heißt: Vorurteile abbauen, Klischees hinterfragen, Tabus brechen.

Dabei erleichtert die Kooperation mit Ärzten und Apotheken den Zugang zu den Betroffenen und die Verteilung hilfreicher Informationsmaterialien. Gleichzeitig wird dadurch ein Zeichen gesetzt für die Zusammenarbeit von Professionellen mit der organisierten Selbsthilfe, welche gemeinsam aufklären und beraten.

In einer Basisbroschüre hat die Familien-Selbsthilfe Psychiatrie Informationen zusammengestellt, die helfen, Symptome, die auf eine psychische Erkrankung schließen lassen, zu erkennen, Informationen über therapeutische Interventionsmöglichkeiten vermitteln, für die Situation der Betroffenen und ihrer Angehörigen sensibilisieren und Hilfsmöglichkeiten im medizinischen und psychosozialen Bereich aufzeigen. Diese Materialien bietet sie als »Gesprächseinstieg« überall dort an, wo Menschen mit ihren Fragen zu psychischen Problemen auftauchen, oft ohne den Mut, von sich aus zu fragen: zum Beispiel in Allgemeinarztpraxen, beim Kinderarzt, dem Gynäkologen, in Apotheken oder bei Ämtern und Behörden.

Hilfe zur Selbsthilfe, Unterstützung und die Vermittlung eines Wissens aus eigener Erfahrung ­ das ist die Basis für eine erfolgreiche Arbeit der über 500 Angehörigengruppen bundesweit und ihrer Organisation auf Länder- und Bundesebene. Sie möchten erreichen, dass seelisch erkrankte Menschen und ihre Familien mit Freunden, Nachbarn, Kollegen, dem Arzt ihres Vertrauens oder dem Apotheker genauso offen über ihre psychische Krankheit sprechen können wie andere über Rheuma, Herzinfarkt oder Osteoporose.

Aktiv gegen Demenz

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft entwickelt und fördert Hilfen für Menschen, die von Morbus Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen betroffen sind, und unterstützt Angehörige sowie alle, die sich ehrenamtlich oder beruflich für Demenzkranke einsetzen. Ihr Ziel ist es, die Bevölkerung zu mehr Verständnis und Hilfsbereitschaft für die Betroffenen anzuregen sowie gesundheits- und sozialpolitische Initiativen für diesen Personenkreis in Gang zu bringen. So setzt sie sich dafür ein, die medizinische, pflegerische und soziale Betreuung von Demenzkranken und ihren Angehörigen insgesamt zu verbessern. Auf Anhörungen zu Gesetzesvorhaben auf Bundesebene (Pflege-Leistungsergänzungsgesetz, Pflege-Qualitätssicherungsgesetz oder Heimbewohner-Schutzgesetz) sowie im Gespräch mit Vertretern der Parteien, Bundestagsfraktionen und Ministerien macht die Selbsthilfeorganisation auf die Situation Demenzkranker und ihrer Angehörigen aufmerksam und drängt auf konkrete Verbesserungen.

Darüber hinaus zeigt sie Betroffenen Möglichkeiten der Krankheitsbewältigung auf und unterstützt Angehörige bei ihrer Selbsthilfearbeit. Die Betreuenden sollen entlastet werden, indem sie Fachinformation, emotionale Unterstützung und öffentliche Hilfen erhalten. Dazu hat die Deutsche Alzheimer Gesellschaft eine Reihe von Leitfäden für Angehörige und Pflegende entwickelt, etwa zur stationären Versorgung, zur Pflegeversicherung, zu rechtlichen und finanziellen Fragen, zum Aufbau von Angehörigen- und Betreuungsgruppen, ferner eine Broschüre für Patienten im Frühstadium. Die Broschüre »Das Wichtigste über die Alzheimer-Krankheit«, die sich an Angehörige von Demenzkranken wendet, kann kostenlos bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft bestellt werden. Vierteljährlich erscheint zudem die Zeitschrift »Alzheimer Info«, die über aktuelle Entwicklungen in Forschung, Versorgung und Selbsthilfe informiert. Unter www.deutsche-alzheimer.de sind Informationen und Adressen hierzu erhältlich. Daneben existiert das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, das unter (0 18 03) 17 10 17 für 9  Cent pro Minute erreichbar ist und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt wird.

Informieren können sich Interessierte auch auf von der Selbsthilfeorganisation organisierten Tagungen und Kongressen, wobei der nächste bundesweite Kongress für Oktober 2006 in Berlin geplant ist. Zahlreiche Veranstaltungen, von Vorträgen bis zu Benefizkonzerten, finden zudem jedes Jahr am 21. September statt ­ dem Welt-Alzheimertag, der 1994 von der Dachorganisation Alzheimer's Disease International und der Weltgesundheitsorganisation ins Leben gerufen wurde. In den letzten Jahren hat es an diesem Tag bereits eine erfreuliche Kooperation zwischen dem Deutschen Apothekerverband und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gegeben: Eine große Zahl von Apotheken verteilte in ganz Deutschland Informationsmaterialien für Betroffene und Angehörige von Demenzkranken. Wenn es um Probleme mit dem Gedächtnis geht, sind Apotheker häufig die ersten Ansprechpartner. Sie können daher einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Betreffenden über Demenzerkrankungen aufzuklären, auf Beratungsstellen und Alzheimer Gesellschaften hinzuweisen und die Wichtigkeit einer frühzeitigen Diagnose zu erklären.

Für eine optimierte Versorgung der Patienten hat die Deutsche Alzheimer Gesellschaft zusammen mit der Firma Janssen-Cilag die Schulungsreihe »Hilfe beim Helfen« entwickelt. Die CD mit Materialien ist für 10 Euro erhältlich. Die Kurse, die mit der Unterstützung der Barmer Ersatzkasse durchgeführt werden, vermitteln Angehörigen Wissen über Demenzerkrankungen, den Umgang mit den Kranken, professionelle Unterstützungsmöglichkeiten und die Pflegeversicherung.

Die 1989 in Bad Boll gegründete Deutsche Alzheimer Gesellschaft ist der gemeinnützig arbeitende Bundesverband von Alzheimer Landesverbänden sowie von regionalen und örtlichen Gruppen. Als ordentliche Mitglieder werden regionale Alzheimer Gesellschaften aufgenommen. Natürliche und juristische Personen können Fördermitglieder werden.

 

Kontaktadressen

Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e. V.
Thomas-Mann-Straße 49 a
53111 Bonn
Telefon (02 28) 63 26 46
Fax (02 28) 65 80 63
bapk@psychiatrie.de
www.bapk.de.

Deutsche Alzheimer Gesellschaft
Friedrichstraße 236
10969 Berlin
Telefon (0 30) 259 37 95 0
Fax (0 30) 259 37 95 29
Alzheimer-Telefon (0 18 03) 17 10 17
info@deutsche-alzheimer.de
www.deutsche-alzheimer.de

  Top

© 2005 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa