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Zwischenbilanz bei INVADE

16.02.2004  00:00 Uhr

Zwischenbilanz bei INVADE

von Ursula Kindl, Ebersberg

Bereits zwei Jahre läuft das INVADE-Projekt, das klären soll, ob präventive Maßnahmen und umfassende ärztliche Versorgung die Inzidenz von Schlaganfällen und Demenz reduzieren können. Eine erste Zwischenbilanz zeigt erstaunliche Ergebnisse.

Erste Ergebnisse von INVADE (Interventionsprojekt cerebrovaskuläre Erkrankungen und Demenz im Landkreis Ebersberg) stellte Dr. Ulrich Huntgeburth, Sprecher des Hausärztekreises Ebersberg, Apothekern und Ärzten vor. Ausgewertet wurden bislang die Daten von 1750 Patienten, die im Rahmen des Projektes zu einer gesunden Lebensweise motiviert, umfassend ärztlich untersucht und therapiert wurden. Durch diese Betreuung verbesserten sich alle gemessenen Parameter (Blutdruck, Blutzucker und Lipidwerte) signifikant. So sank in den zwei Jahren zum Beispiel die Rate von Patienten mit erhöhtem HbA1c-Wert von 14,1 Prozent auf 9,7 Prozent. Der durchschnittliche Blutdruck sank von 155,8 auf 144,4 mmHg (systolisch) und von 87,0 auf 82,10 mmHg (diastolisch).

Diese Zahlen zeigten, dass das gesteckte Ziel, durch rechtzeitige Diagnose und Therapie die Inzidenz von Schlaganfall und Herzinfarkt um 30 Prozent zu senken, zu erreichen sei, sagte Huntgeburth. Um dies zu realisieren, wird die „Compliance-Studie“ (COME–IN) konzipiert, bei der Apotheker und Hausärzte enger zusammenarbeiten sollen und die vermutlich im Sommer dieses Jahres startet. Diese soll das Modellprojekt INVADE ergänzen, bei dem neben den Hausärzten, Apothekern der Kreisklinik und der Pharmaindustrie auch die AOK Bayern maßgeblich beteiligt ist.

Das kardiovaskuläre Risiko ließe sich nicht allein auf Grund von Prospektivstudien vorhersagen, kritisierte Professor Dr. Hans-Werner Hense, leitender Epidemiologe an der Universität Münster. So habe sich gezeigt, dass die bekannte Framingham-Studie das aktuelle kardiovaskuläre Risiko in Deutschland um mehr als 50 Prozent überbewerte. Vielmehr sollten künftig Risikotafeln, die den Einfluss der verschiedenen Risikofaktoren auf das tatsächliche Gesamtrisiko grafisch darstellen, den behandelnden Ärzten helfen, zusammen mit dem Patienten die notwendige Therapie zu ermitteln.

Eine Therapie solle sich nicht an Einzelmesswerten des Patienten, sondern an seinem Gesamtrisiko orientieren, forderte Professor Dr. Peter T. Sawicki vom DIeM – Institut für evidenzbasierte Medizin in Köln. Nicht jeder Patient mit einem Gesamtcholesterol von 200 mg/dl müsse sofort behandelt werden. Dagegen könne es durchaus sein, dass bei einem Cholesterolwert von nur 150 mg/dl therapeutisch interveniert werden müsse, wenn andere Risikofaktoren dies erfordern. Sehr wahrscheinlich hat die kardioprotektive Wirkung der Statine wenig mit der Cholesterolsenkung zu tun, sagte Sawicki. Denn anscheinend wirken sie unabhängig von der Höhe des Cholesterolkonzentration im Blut. Es wird in Zukunft zu einem Umdenken bei der Therapie kommen müssen, weg von der starren Fixierung auf einzelne Laborwerte, hin zu einer Beurteilung des gesamten Risikoprofils des Patienten. Top

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