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RKI informiert zu Dekubitus

13.01.2003  00:00 Uhr

RKI informiert zu Dekubitus

PZ  Nach vorsichtigen Schätzungen entwickeln in Deutschland jährlich mehr als 400.000 Menschen einen Dekubitus. Das Robert-Koch-Institut hat jetzt ein Informationsheft zu diesem Thema herausgegeben.

Dekubitusgefährdet sind vor allem immobile, kranke sowie oft ältere Menschen und damit Bewohner und Patienten in allen Einrichtungen des Gesundheitswesens, aber auch Pflegebedürftige in der häuslichen Umgebung, wenn zum Beispiel pflegende Angehörige nicht ausreichend über die Risiken des Wundliegens informiert sind. Druckgeschwüre sind Ergebnis sich gegenseitig verstärkender Faktoren: Mobilitätseinschränkungen, Durchblutungsstörungen der Haut, Erkrankungen oder Beeinträchtigungen des Stoffwechsels sowie Erkrankungen oder Schädigungen der Haut selbst.

Ein Dekubitus entwickelt sich, wenn der Auflagedruck über betroffenen Hautarealen längerfristig den Blutdruck in den kleinsten Blutgefäßen überschreitet. Es kommt zu Störungen der Durchblutung mit mangelndem Stoffaustausch in den entsprechenden Hautpartien. Die Folge sind Zelltod (Nekrose) und Zerstörung des Gewebes. Einmal entstanden sind Druckgeschwüre für die Betroffenen sehr belastend, ihre Behandlung aufwendig und teuer, die Heilung langwierig.

Wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich an den wunden Stellen erkranken, sei erst in Ansätzen bekannt. Dies gelte besonders für den häuslichen Bereich, schreibt das Robert-Koch-Institut. Die unzureichende Datenlage lasse Berechnungen der dem Gesundheitssystem durch Dekubitus entstehenden Kosten kaum zu. Dekubitus gehe - wenn überhaupt - in der Regel nur als untergeordneter Nebenbefund in medizinisch-pflegerische Aufzeichnungen und gesundheitsökonomische Statistiken ein.

Das Interesse der Öffentlichkeit an der Dekubitusproblematik wird immer wieder durch Presseberichte über so genannte Pflegeskandale geweckt. Auch Rechtsmedizin und Rechtsprechung beschäftigen sich zunehmend mit der Thematik. Dekubitus gilt in der gesundheitspolitischen Diskussion als Qualitätsindikator für die Pflege alter sowie kranker und somit durchaus auch jüngerer Menschen, woran sich Forderungen nach einem effizienten Pflegemanagement sowie zeitlicher und finanzieller Mehrausstattung von Einrichtungen des Gesundheitswesens knüpfen.

Das Heft, das im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) erschienen ist, informiert über Krankheitsbild und Vorkommen der Erkrankung und gibt eine Übersicht über Risikofaktoren, medizinische Folgen, gesundheitsökonomische Auswirkungen, Behandlungsmöglichkeiten, Versorgungsstrukturen sowie rechtliche Aspekte. So seien rechtzeitige Präventionsmaßnahmen besonders wichtig: Zum Beispiel müsse zu Beginn eines pflegerischen Auftrags eine standardisierte Einschätzung des Dekubitusrisikos erfolgen. Im Zentrum der vorbeugenden Maßnahmen steht, längerfristige Druckausübung auf gefährdete Hautareale wie Steiß und Ferse zu verhindern. Insgesamt seien in Deutschland hinreichend wissenschaftlich abgesicherte Kenntnisse zum Themenkomplex Dekubitus vorhanden. "Es gilt, dieses Wissen flächendeckend in der alltäglichen Praxis zu implementieren", heißt es in der Veröffentlichung des RKI.

Das GBE-Heft "Dekubitus" kann kostenlos schriftlich angefordert werden beim Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung, Seestraße 10, 13353 Berlin, Fax (0 18 88) 7 54 35 13, E-Mail gbe@rki.de. Unter www.rki.de/GBE/GBE.HTM lässt es sich auch herunterladen. Top

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