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Bis zu 30 Millionen Arthrosekranke bundesweit

17.10.2005
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Bis zu 30 Millionen Arthrosekranke bundesweit

von Sven Siebenand, Berlin

Wahrscheinlich leiden in Deutschland 30 Millionen Menschen an Arthrose und nicht wie bisher angenommen 5 Millionen, lässt die erste epidemiologische Studie zu Arthrose und Bewegungsschmerz vermuten. Die Ergebnisse der Herner Arthrose-Studie (HERAS) stellte die Initiative »Stark gegen den Schmerz« am Welt-Arthrose-Tag, dem 12. Oktober, in Berlin vor.

Die Studie, an der auch die Ruhr-Universität Bochum und das Marienhospital Herne beteiligt waren, zeigt, dass Gelenkschmerzen eine der häufigsten Symptome bei Menschen über 40 Jahren sind. Die Auswertung von 3660 Fragebögen von Herner Bürgern im Alter über 40 Jahren belegt, dass mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Befragten zum Befragungszeitpunkt an akuten Gelenkbeschwerden litten. 68 Prozent hatten im zurückliegenden Monat mit Schmerzen zu kämpfen und 71 Prozent im Laufe des vergangenen Jahres.

»Arthrose und Gelenkschmerz stellen somit eine stumme Volkskrankheit mit erheblichem Ausmaß dar«, sagte Professor Dr. Josef Zacher, Vorsitzender der Initiative. Dabei besteht eine deutliche Abhängigkeit der Gelenkschmerzen vom Alter. Drei Viertel aller 80- bis 89-Jährigen litten am Befragungstag an Schmerzen. Aber auch mehr als die Hälfte (52,3 Prozent) der 40- bis 49-Jährigen war betroffen, was die weit verbreitete Ansicht, Gelenkschmerzen und Arthrose seien nur ein Problem von älteren Menschen, widerlegt. Ein Fünftel der Studienteilnehmer fühlte sich durch die Krankheit selbst bei leichten Haushaltstätigkeiten beeinträchtigt. 85 Prozent aller Patienten mit Kniebeschwerden können ihre Socken nur mit Mühe oder gar nicht anziehen.

Welche volkswirtschaftliche Bedeutung Gelenkbeschwerden haben, zeigte Dr. Ulrich Thiem vom Marienhospital Herne. Etwa 30 Prozent der befragten Herner klagten über Kniebeschwerden und gehen deshalb im Schnitt drei- bis viermal pro Jahr zu einem Arzt. Auf Deutschland hochgerechnet sind das rund zehn Millionen Arztbesuche oder bei durchschnittlich 50 Euro je Besuch etwa eine halbe Milliarde Euro nur für die ambulante Versorgung von Kniebeschwerden. Im zweiten Teil der Studie werden seit August 2005 Patienten mit Bewegungsschmerzen in Knie- und Hüftgelenk in der Klinik untersucht. Daran schließt sich die jahrelange Beobachtung der Patienten an. Ziel von HERAS ist, die Situation der Arthrose-Patienten langfristig zu verbessern. Top

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