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Neue Empfehlungen der STIKO

16.07.2001  00:00 Uhr

Neue Empfehlungen der STIKO

PZ  Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) hat ihre Impfempfehlungen neu gefasst. Wesentliche Veränderungen betreffen die Pneumokokken-Impfung, die jetzt auch für Kinder unter zwei Jahren mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung empfohlen ist, außerdem die Impfung mit einem so genannten Konjugat-Impfstoff gegen Meningokokken (Serogruppe C) und die Impfung gegen Windpocken, wo ebenfalls der Kreis der zu Impfenden erweitert wurde. Das meldet das Robert-Koch-Institut in einer Pressemitteilung und bezieht sich auf die Veröffentlichungen der STIKO im Epidemiologischen Bulletin 28/2001.

Neu sind auch eine Reihe von arbeitsmedizinischen Impf-Indikationen, darunter zum Beispiel die Empfehlung, erwachsene Beschäftigte in Pädiatrie, Infektionsmedizin und Gemeinschaftseinrichtungen gegen Keuchhusten (Pertussis) zu impfen.

"Impfungen gehören zu den wirksamsten und wichtigsten krankheitsvorbeugenden Maßnahmen der Medizin", betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert-Koch-Instituts. Bei Erreichen hoher Durchimpfungsraten können einzelne Krankheitserreger augerottet werden, wenn der Mensch einziger Wirtsorganismus ist. Die Eliminierung von Masern und Polio ist nach der weltweiten Ausrottung der Pocken erklärtes Ziel in Deutschland, heißt es in der Pressemeldung.

Die Impfempfehlungen der STIKO werden alle ein bis zwei Jahre aktualisiert, zuletzt im Januar 2000. Die Meldungen im Einzelnen:

Pneumokokken

Da es gegen Pneumokokken erstmals einen Konjugat-Impfstoff gibt, der ein immunologisches Gedächtnis und damit Auffrischungsimpfungen (Boostern) ermöglicht, hat die STIKO die Impfempfehlung erweitert. Eine Pneumokokken-Impfung, mit einem Konjugat-Impfstoff, wird nun auch für Säuglinge ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grundkrankheit empfohlen (zum Beispiel Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krankheiten der Atmungsorgane oder Diabetes mellitus).

Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) sind Bakterien, die unter anderem eine Lungenentzündung, Blutvergiftung (Sepsis) oder Hirnhautentzündung verursachen können. Um einen optimalen Schutz zu erreichen, soll die Impfserie bei den gefährdeten Kindern möglichst unmittelbar nach Vollendung des zweiten Lebensmonats beginnen.

Meningokokken

Die STIKO empfiehlt, in Ergänzung zur bisherigen Empfehlung bei Reisen in bestimmte Länder, erstmalig auch eine Impfung von Risikogruppen mit individuell erhöhtem Erkrankungs- und Komplikationsrisiko (zum Beispiel Personen mit Immundefekten). Präzisiert ist außerdem das Vorgehen im Zusammenhang mit Erkankungshäufungen in Einrichtungen oder bei regional erhöhtem Vorkommen. Meningokokken (Neisseria meningitides) sind Bakterien, die Hirnhautentzündung (Meningitis) und Blutvergiftung (Sepsis) verursachen. Allerdings ist bislang kein Impfstoff gegen die in Deutschland vorherrschenden Meningokokken der Serogruppe B vorhanden.

Windpocken (Varizellen)

Ergänzend zu den bereits bisher bestehenden Indikationen für individuell besonders gefährdete Personen, zum Beispiel Kinder mit Tumorerkrankungen, empfiehlt die STIKO die Impfung jetzt auch für alle nicht immunen Kontaktpersonen dieser Gefährdeten, außerdem bei der Neueinstellungen von empfänglichen Beschäftigten in Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter.

Geimpft werden sollen zukünftig auch alle zwölf bis fünfzehn Jahre alten Jugendlichen, die bislang weder an Varizellen erkrankt, noch durch eine Impfung geschützt sind. Eine Impfung dieser Jugendlichen verhindert die in dieser Altersgruppe drohenden schweren Erkrankungen. Außerdem vermindert sie die Immunitätslücke und damit auch das Risiko, dass das Virus auf Ungeborene nicht immuner Schwangerer übertragen wird, wo es schwere Schäden verursachen kann. Auch bisher hat die STIKO diese Impfung bereits für nicht immune Frauen mit Kinderwunsch, sowie für Kinder mit bestimmten schweren Grunderkrankungen und deren Geschwister und Eltern sowie für medizinisches Personal mit Kontakt zu individuellen Risikogruppen empfohlen.

Masern, Mumps, Röteln

Erstmalig enthalten die STIKO-Empfehlungen jetzt auch Handlungsanweisungen für Impfungen nach Kontakt mit dem Erreger von Masern, Mumps und Röteln (postexpositionelle Impfung): Ungeimpfte beziehungsweise nur einmal geimpfte Kinder mit Kontakt zu Personen, die an Masern, Mumps oder Röteln erkrankt sind, sollten möglichst innerhalb von drei Tagen geimpft werden. Dadurch werden ein langfristiger Impfschutz gesichert, Immunitätslücken geschlossen und die Weiterverbreitung der Erkrankung verhindert. Diese Impfstrategie ist somit ein Schritt auf dem Weg zur Elimination der Masern, schreibt das Robert-Koch-Institut.

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