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Stammzelltherapie hilft Herzinfarktpatienten

19.05.2003
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Highlight-Kongress

Stammzelltherapie hilft Herzinfarktpatienten

PZ  Nach einem akuten Herzinfarkt ist das Myokard oft stark geschädigt. Körpereigene Stammzellen aus dem Knochenmark können allerdings das zerstörte Herzgewebe ersetzen. Über erste Therapieversuche berichtet Dr. Tobias Zeus von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf auf dem diesjährigen Highlightkongress am 14. Juni in Gotha.

Durch Schädigung des Muskelgewebes kommt es nach einem Herzinfarkt häufig zum strukturellen Umbau des Ventrikels. Dies wirkt sich negativ auf die Funktion des Herzen aus, mindert so die Lebensqualität des Patienten und erhöht die Mortalität und Morbidität. Das Herz selbst ist nicht in der Lage, Muskelgewebe und kleinere Gefäße zu regenerieren. Eine Zellersatztherapie könnte hier in Zukunft eine kausale Behandlungsmöglichkeit darstellen.

Die grundlegende Idee dieses Ansatzes ist, das geschädigte Myokard durch gesunde Herzmuskel- und Gefäßzellen zu ersetzen, sodass die nekrotische Infarktzone neu durchblutet und mit kontraktionsfähiger Substanz gefüllt wird. Die differenzierten Zellen sollen dabei aus Stammzellen oder Vorläuferzellen hervorgehen, die vom Patienten selber stammen. Erste tierexperimentelle Untersuchungen zeigten bereits, dass geschädigtes Myokard und die versorgenden Gefäße im Nekroseareal auf diese Weise regeneriert werden können. Und auch kleine klinische Studien weisen auf den Nutzen des neuen Therapieansatzes hin.

So transplantierte Zeus’ Arbeitsgruppe insgesamt 40 Herzinfarktpatienten körpereigene mononukleäre Knochenmarkszellen. Die Patienten mit akutem Herzinfarkt unterzogen sich zunächst als Standardtherapie einer Koronardilatation (PTCA, perkutane transluminale Koronarangioplastie) zur Öffnung und Erweiterung verschlossener oder eingeengter Herzkranzgefäße und der Applikation einer Gefäßstütze (Stent). Acht Tage nach dem Infarkt wurde der Hälfte der Studienteilnehmer Knochenmark aus dem Beckenknochen entnommen und speziell aufbereitet. Nach 24 Stunden transplantierten die Mediziner die isolierten mononukleären Zellen den Patienten durch Einspritzen in die Koronararterie. Die andere Hälfte der Patienten erhielt keine Transplantation und diente als Kontrollgruppe.

Direkt beziehungsweise drei Monate nach der Behandlung untersuchte Zeus’ Arbeitsgruppe die Patienten auf die Größe des Infarktareals, die Herzfunktion und weitere Faktoren wie Herzdurchblutung und Myokardstoffwechsel. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass in der Zelltherapiegruppe das Infarktareal signifikant gegenüber der Kontrollgruppe zurückgegangen war, und auch die Kontraktilität im geschädigten Bereich hatte sich deutlich verbessert.

 

  • Die Stammzelltherapie ist Schwerpunkt eines Vortags auf dem 5. Highlight-Kongress in Gotha zu dem die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft zusammen mit der Pharmazeutischen Zeitung einlädt. Für weitere Informationen senden Sie bitte eine E-Mail an redaktion@govi.de.
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