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Leichter Anstieg der Erkrankungen

17.03.2003
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Tuberkulose

Leichter Anstieg der Erkrankungen

von Gudrun Heyn, Berlin

Die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen in Deutschland ist 2002 erstmalig wieder gestiegen. Dennoch sieht der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Professor Dr. Reinhard Kurth, darin keine Umkehr eines langfristig abnehmenden Trends.

Zum diesjährigen Welt-Tuberkulose-Tag am 24 März meldet das Robert-Koch-Institut 7723 Neuerkrankungen für das Jahr 2002 in Deutschland. Damit stieg die Zahl der gemeldeten Fälle um 184 gegenüber dem Vorjahr, hieß es während einer Pressekonferenz in Berlin. Ob dies jedoch eine Trendumkehr bedeutet, ist fraglich. Immerhin nehmen die Tuberkulosezahlen seit den Nachkriegsjahren in Deutschland kontinuierlich ab.

Die jetzigen Zahlen sind mit denen aus den Vorjahren ohnehin nicht unmittelbar vergleichbar. Seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 müssen genaue Falldefinitionen erfüllt sein, damit eine Erkrankung als Tuberkulose in die Statistik eingeht. 2001 wurden zwar 7866 Erkrankungen als Tuberkulose gemeldet, davon entsprachen aber nur 7539 den Falldefinitionen. „Allerdings steigen auch in England die Fallzahlen zur Tuberkulose“, sagte Dr. Walter Haas vom Robert-Koch-Institut.

Tb-Screening für Migranten

Mit dem Infektionsschutzgesetz sind die deutschen Daten vergleichbar geworden, sie lassen sich international einordnen. Außerdem werden mehr Informationen erhoben, so etwa Daten zum Geburtsland und der Staatsangehörigkeit der Erkrankten. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Inzidenz bei den ausländischen Staatsbürgern fünfmal höher lag als bei der deutschen Bevölkerung. Auch der Anteil der resistenten Erreger ist bei den im Ausland geborenen Patienten höher. Für Migranten wurde daher von der Bundesregierung mit dem Infektionsschutzgesetz ein Screening zur Tuberkulose eingeführt.

Die WHO hatte vor zehn Jahren die Tuberkulose zum globalen Notstand erklärt. Gleichzeitig wurde das Ziel gesteckt, 70 Prozent der Erkrankten zu entdecken und davon 80 Prozent zu heilen. „In Deutschland liegt die durchschnittliche Heilungsrate bei 81 Prozent“, sagte Professor Robert Loddenkemper vom Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose. Besonders erfolgreich ist man bei den jungen Patienten, von denen 98 Prozent geheilt werden können. Die über 64-Jährigen erreichen jedoch auch in Deutschland das Ziel der WHO nicht. Einen Grund sieht Loddenkemper darin, dass 27 Prozent der Patienten sterben, bevor die Tuberkulose geheilt werden kann.

Inzwischen ist Deutschland von der WHO als DOTS-Land anerkannt. Die Strategie zur Behandlung und Verhinderung der Tuberkulose DOTS (directly observed treatment short course) setzt sich aus mehreren Elementen zusammen. Dazu gehört die möglichst vollständige Entdeckung der Tuberkulosefälle, eine kontrollierte Kombinationstherapie über sechs Monate und eine Überwachung des Behandlungsergebnisses.

Im DOTS-Plus-Programm wird zudem in Labors der Nachweis geführt, welche Resistenzen vorliegen. Eine MDR-Tuberkulose (Multi Drug Resistant Tuberculosis) erfordert eine besondere Therapie. DOTS-Plus-Länder wie Deutschland setzen dazu auch Zweitrangmedikamente ein. Dennoch ist die Behandlung langwieriger, kostspieliger und die Heilungschancen sind geringer als bei einer einfachen Tuberkulose. Bereits 2,7 Prozent der Tuberkulosepatienten zeigten 2002 eine Multiresistenz gegenüber den wichtigsten Medikamenten Isoniazid und Rifampicin. Davor stagnierte die Multiresistenz über lange Jahre um 1,3 Prozent. In Osteuropa, besonders in Estland liegen die Zahlen bereits bei 14 Prozent.

„Im besten Fall weiß man zwei Wochen nach Beginn einer Behandlung, ob ein Erreger gegenüber den Antibiotika empfindlich ist“, sagte Loddenkemper. In Deutschland empfiehlt er, bei einer Tuberkulose grundsätzlich mindestens vier Medikamente gleichzeitig zu geben. Top

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