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Preis für Hirnforschung

30.10.2000
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Preis für Hirnforschung

von Gerd Moser, Witten

Zum achten Mal wurde an der Universität Witten/Herdecke der Preis für Hirnforschung in der Geriatrie vergeben. Die mit 20.000 DM dotierte Auszeichnung ging in diesem Jahr zu gleichen Teilen an zwei Preisträger: An Privatdozent Dr. Martin Haupt, Rheinische Kliniken Düsseldorf, für eine Arbeit über die Alzheimer-Krankheit und an Professor Dr. Hans Peter Meier-Baumgartner, Zentrum für Geriatrie am Albertinen-Haus Hamburg, für eine Studie zur Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten.

"Alte sind in!" Diese Überzeugung äußerte der Vorsitzende der Jury, Professor Dr. Ingo Füsgen, Lehrstuhl für Geriatrie an der Universität Witten/Herdecke, in seiner Begrüßungsrede. Ein Beleg dafür sei die große Zahl der eingereichten Arbeiten. Trend zu längerem Leben

"Die Geriatrie ist das Wachstumsfeld der Zukunft", sagte Gastredner Professor Dr. Klaus-Dieter Kossow, Vorsitzender des Berufsverbands der Allgemeinärzte Deutschlands - Hausärzteverband (BDA). Aus dem "ungebrochenen Trend zu längerem Leben" ergebe sich eine "steigende Nachfrage nach geriatrischer Versorgung". In kaum einem Bereich gebe es jedoch so wenig Fachkenntnis und Fortbildung wie bei der Geriatrie in der Allgemeinarzt-Praxis, sagte Kossow.

Hilfe durch Paartherapie

Die Düsseldorfer Arbeitsgruppe Haupt wurde für zwei Studien zur Alzheimer-Krankheit ausgezeichnet. Mit einer Untersuchung konnten Haupt und seine Kollegen die Syndrome nicht-kognitiver Störungen abgrenzen und damit belegen, dass Alzheimer-Patienten oft unter Depressionen, Apathie oder Unruhezuständen leiden und psychotische Symptome – auch Aggressivität – zeigen. Diese Stimmungs- und Verhaltensauffälligkeiten seien, im Gegensatz zu den immer vorhandenen kognitiven Störungen, diskontinuierlich und deshalb nicht leicht zu erfassen, sagte Haupt.

In einer zweiten Studie kamen sie zu dem Ergebnis, dass sich eine paartherapeutische Betreuung von Demenzkranken und ihrer pflegenden Partner positiv auswirkt. Der Zustand des Kranken werde stabilisiert und seine Kommunikationsmöglichkeiten verbessert, sagte Haupt. Dies führe auch zu einer Entlastung der Partner.

Rehabilitation ist sinnvoll

Meier-Baumgartner und seine Mitarbeiter erhielten den Preis für ihre Arbeit zur Schlaganfall-Rehabilitation. Über zwei Jahre hinweg haben die Wissenschaftler 302 Schlaganfall-Patienten untersucht, um die Erfolge von Rehabilitationsmaßnahmen zu dokumentieren und um nach Faktoren zu suchen, die eine Erfolgsprognose ermöglichen.

"Rehabilitationsmaßnahmen sind sinnvoll", stellte Meier-Baumgartner fest. Ein erzielter Erfolg bleibe über zwei Jahre weitgehend stabil. Sichere Anzeichen für einen zu erwartenden Erfolg der Rehabilitation seien Urin-Kontinenz bei Aufnahme des Patienten ins Krankenhaus und nicht vorhandene Koronare Herzkrankheit. Auch die körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Patienten kurz nach dem Insult sind entscheidend.

Der von Merz, Frankfurt am Main, gestiftete Preis für Hirnforschung in der Geriatrie wird seit 1993 jährlich vergeben. Top

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