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Kluge Strategien statt Panik

17.10.2005
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Vogelgrippe

Kluge Strategien statt Panik

von Conny Becker, Berlin

»Es gibt keinen Anlass, in Panik zu geraten«, sagte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt am Montag in Berlin. Bei der Vogelgrippe handle es sich immer noch um eine Tierkrankheit.

Nachdem am Wochenende Infektionen mit dem Vogelgrippevirus H5N1 unter Geflügel in der Türkei und Rumänien bestätigt worden waren, beraumte die Regierung kurzfristig eine Pressekonferenz zum aktuellen Stand der Sicherheitsvorkehrungen gegen eine Virusausbreitung an. Schmidt stellte klar: »Das Vogelgrippevirus ist in Europa angekommen, aber es ist ein Tiervirus. Es besteht nur eine Gefahr, wenn man engen Kontakt mit infizierten Tieren hat.«

Dennoch bereitet sich die Regierung auf eine mögliche Pandemie vor. So unterstützt der Bund die Impfstoffentwicklung mit 20 Millionen Euro. Derzeit arbeite man mit den in Deutschland produzierenden Impfstoffherstellern GlaxoSmithKline und Chiron Behring zusammen an einem Prototypen, für den noch in diesem Jahr der Zulassungsantrag und im ersten Quartal 2006 die Zulassung erwartet wird, ergänzte Professor Dr. Johannes Löwer. Laut dem Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts soll die Verwendung von Aluminiumhydroxid als Adjuvans die Zahl der Impfdosen pro bebrütetem Hühnerei von einer auf vier bis fünf steigern. So soll es möglich sein, innerhalb von sechs Wochen nach Isolierung des Pandemievirus 80 Millionen Impfdosen herzustellen. Nach weiteren sechs Wochen stünde dann die zweite Dosis zur erneuten Durchimpfung der Bevölkerung zur Verfügung.

Bis dahin solle im Fall einer Pandemie laut dem nationalen Pandemieplan der Neuraminidasehemmer Oseltamivir Infizierten helfen. Die Länder sollen für 20 Prozent der Bevölkerung Vorräte anlegen, um die Versorgung von medizinischem Personal, Personen der öffentlichen Ordnung sowie Risikopersonen zu gewährleisten. »Wir würden heute bei der ersten Welle von einer Infektionsrate von etwa 30 Prozent ausgehen«, sagte Professor Dr. Reinhard Kurth, Präsident des Robert-Koch-Instituts. »Das heißt, eine Behandlung würde nicht für alle notwendig werden.« Die derzeitige Anschaffung für 10 Prozent der Bevölkerung hält Kurth jedoch für zu gering. Der Virologe stellte zudem klar, dass ein pandemisches Virus mit der besseren Übertragbarkeit auf den Menschen an Pathogenität verlieren wird. Während derzeit die Sterblichkeit für infizierte Menschen bei 50 Prozent liegt, werde sie bei einem Pandemievirus voraussichtlich unter 2 Prozent liegen. Top

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