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Hautkrebs auf dem Vormarsch

16.10.2000
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Hautkrebs auf dem Vormarsch

von Gertrude Mevissen, Mannheim

Erkrankte Anfang der 50er Jahre nur einer unter 1500 US-Amerikanern an einem Melanom, so ist inzwischen jeder fünfundsiebzigste im Laufe seines Lebens betroffen. In Deutschland werden jährlich etwa zehn Melanome pro 100 000 Einwohner neu diagnostiziert. Doch nicht nur der gefürchtete schwarze Hautkrebs, auch andere Tumore der Haut werden zu einem immer größeren Problem.

Je nachdem, welche Hautzellen maligne entarten, unterscheidet man zwischen „Basalzellkrebs„ (Basaliom), Stachelzellkrebs (Spinaliom) und schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom). Das Basaliom ist der häufigste Tumor der menschlichen Haut. Da sich das Geschwulst normalerweise langsam ausbreitet und nur in Einzelfällen aggressiv wächst, dabei jedoch Knorpel und Knochen anfällt und Metastasen streut, gilt das Basaliom als halbbösartiger Hauttumor. Betroffen sind vorwiegend ältere Menschen. Doch sind unter frühzeitiger und langandauernder Sonneneinwirkung auch Kinder und junge Erwachsene gefährdet. Maligne Veränderungen der Basalzellen, ob in knotiger oder oberflächlich-vernarbender Form, treten zu 80 Prozent im Gesicht auf, dem Ort der größten Sonnenexposition. Seltener sind Rumpfhautbasaliome an Rücken-, Bauch- und Brustpartien.

Der Stachelzellkrebs ist der zweithäufigste Tumortyp der Haut. Ähnlich dem Basalkrebs sind Spinaliome überwiegend an gealterter oder extrem sonnengeschädigter Gesichtshaut jüngerer Menschen anzutreffen. Die Spinaliom-Vorläuferveränderungen machen sich als verdickte Hornschicht bemerkbar. Der Grund ist eine Licht bedingte Verhornungsstörung, auch aktinische Keratose genannt. Allerdings bilden nur fünf bis zehn Prozent aller Spinaliome Tochtergeschwulste. Kleinere Tumore bis zu 3 cm Durchmesser lassen sich operativ entfernen.

Gefürchteter als der Basal- und Stachelzellkrebs ist der schwarze Hautkrebs. Er ist der bösartigste Hautkrebs. Das Alter der Betroffenen liegt zwischen 40 und 60 Jahren. Jeder Fünfte stirbt an einer Metastasierung. Bei Männern treten maligne Melanome häufig am Rücken, bei Frauen am Unterschenkel auf. Die bösartige Veränderung der Melanozyten findet sich in unterschiedlichen Formen wieder: als oberflächlich-spreitendes Melanom (65 Prozent), knotig-noduläre Veränderung (20 Prozent), als Lentigo-maligna-Melanom an sonnengeschädigter Haut älterer Patienten (10 Prozent) oder als akro-lentiginöses Melanom, das sich häufig an Handtellern und Fußsohlen als Warzenähnliche Gewebswucherung ausbreitet.

Melanome können zwar prinzipiell Metastasen bilden und weitere Komplikationen nach sich ziehen. Doch bedeutet die Diagnose „Melanom„ nicht automatisch das Todesurteil: Etwa 80 Prozent der Melanome können durch Herausschneiden des Tumors ohne weitere Therapie geheilt werden. Haben sich bereits Metastasen entwickelt, ist eine kurative Behandlung oft unmöglich. Wichtig ist, den Arzt frühzeitig aufzusuchen und mögliche Hinweise auf maligne Hautveränderungen rechtzeitig abzuklären. Oft ist das Melanom bei Diagnosestellung soweit fortgeschritten, dass die Betroffenen nach Resektion des Tumors mit einem hohen Rezidivrisiko leben müssen.

Adjuvante Therapie des malignen Melanoms

Ziel der adjuvanten Therapieansätze ist es, die Zahl der Fernmetastasen zu senken. Dazu wurden in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Behandlungsansätze verfolgt. Anfang Oktober stellten Wissenschaftler ihre neusten Erkenntnisse auf einem Fachkongress der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie in Mannheim vor. Ein Benefit in Form einer Überlebensverlängerung konnte in der adjuvanten Melanomtherapie bislang nur für hochdosiertes Interferon- a (IFN-a) belegt werden. Mit höchsten IFN- a-Dosierungen konnte in einer Studie ein Überlebensvorteil von 10 Prozent erzielt werden. Die Therapie war allerdings mit akuten Nebenwirkungen (Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen) und späteren Auswirkungen auf die Lebensqualität Asthenie, Müdigkeit) verbunden. Einen weiteren Vorteil versprechen sich Experten von pegylierten Interferonen mit verbesserten pharmakologischen Eigenschaften.

Beim fortgeschrittenen Melanom, insbesondere bei Patienten mit Hirnmetastasen, hat sich wegen seiner hohen Liquorgängigkeit das orale Alkylans Temozolomid (Temodal®) bewährt. Neuere Therapieansätze, wie die Fusion dendritischer Zellen mit Tumorzellen zur Aktivierung von T-Helfer-Lymphozyten, seien nach Expertenmeinung dagegen zurzeit noch als experimentell anzusehen, könnten in Zukunft aber eine therapeutisch vielversprechende Chance bedeuten.  Top

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