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Fotochemisches Verfahren soll Blutprodukte sicherer machen

08.10.2001
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Fotochemisches Verfahren soll Blutprodukte sicherer machen

PZ  Bluttransfusionen sind heute so sicher wie nie zuvor. Aber trotz umfangreicher Untersuchungen und Tests sind bestimmte Risiken, etwa durch unbekannte Krankheitserreger, auch heute noch nicht auszuschließen. Bei Blutplättchen-Konzentraten sind vor allem Bakterien ein Problem: Die angereicherten Thrombozyten werden bis zu fünf Tage bei Raumtemperatur gelagert - ideale Wachstumsbedingungen für bakterielle Erreger. Ein neues fotochemisches Verfahren, das eine Vielzahl an Pathogenen unschädlich macht und gleichzeitig die Funktion der Thrombozyten erhält, soll nun Abhilfe schaffen, meldet die Firma Baxter.

Die Methode stellte der Professor Dr. Harald Klüter, Ärztlicher Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin und Klinische Immunologie in Mannheim, auf Fachkongressen in Hamburg und Mannheim vor. Bei dem Verfahren werden Blutplättchen-Konzentrate mit der fotoaktiven Substanz Psoralen S-59 versetzt. S-59 bindet zunächst reversibel an DNA und RNA. Durch ultraviolette Bestrahlung (UVA) wird S-59 anschließend irreversibel mit dem Genom vernetzt, heißt es in einer Pressemitteilung. Viren, Bakterien und Parasiten können sich dadurch nicht mehr vermehren.

Im Gegensatz dazu bleibt die Funktion der Thrombozyten unbeeinträchtigt, da diese weder DNA noch RNA enthalten. Auch eventuell in den Thrombozyten-Konzentraten enthaltene Leukozyten werden durch S-59 unschädlich gemacht. Die Zellen sind in den Thrombozyten-Präparaten unerwünscht, weil sie beim Empfänger eine Immunreaktion auslösen können. Überschüssiges Psoralen wird aus den Blutprodukten mit Hilfe einer Matrix, an die das Material adsorbiert, entfernt.

Studien am Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie in Mannheim haben gezeigt, dass sich die Qualität der so Pathogen-inaktivierten Thrombozyten-Konzentrate in vitro nicht von unbehandelten Kontroll-Konzentraten unterschied. Gegenwärtig läuft am Universitätsklinikum Mannheim die erste deutsche randomisierte klinische Studie der Phase III zum Einsatz dieses Verfahrens.

Andere Studien lieferten bereits viel versprechende Zwischenergebnisse. 103 Patienten erhielten im Rahmen der multizentrischen Studie euroSPRITE S-59-behandelte Blutplättchen-Präparate. Vorbehandelte Präparate und unbehandelte Thrombozyten-Konzentrate waren therapeutisch gleichwertig, heißt es in der Pressemitteilung.

In Deutschland werden jährlich rund 350.000 Einheiten Thrombozyten-Konzentrate von etwa einer Million Spendern gewonnen. Die Präparate werden überwiegend zur Behandlung von Krebspatienten eingesetzt sowie bei bestimmten Blutungskomplikationen während schwerer Operationen. Bislang wurden die Präparate lediglich auf bekannte Viren (zum Beispiel HIV und Hepatitis-C-Virus) und einige Bakterien getestet.

Angesichts der sehr empfindlichen Testverfahren für Viruskontaminationen treten Verunreinigungen mit Bakterien wieder stärker in den Vordergrund, erklärte Klüter auf Nachfrage der PZ. Eines von 1000 Thrombozytenpräparaten kann mit Bakterien verunreinigt sein. Abgesehen von infizierten Spendern, deren Blut die Bakterien enthält, stammen die meisten dieser Keime von der Haut der Spender. Beim Einstechen der Nadel gelangen sie in die Blutprobe. Der Zustand des Immunsystem des Empfängers entscheidet, ob er erkrankt. Zu schwerwiegenden Infektionen kommt es nach den Ergebnissen internationaler Studien bei einem von 10.000 Patienten, die eine Transfusion erhalten, erklärt Klüter.

Das Pathogen-Inaktivierungsverfahren ist nach Klüters Erfahrungen relativ leicht in die Abläufe zur Herstellung von Thrombozyten-Konzentraten in der Blutbank zu integrieren. In weiteren Studien sollen darüber hinaus photochemische Inaktivierungs-Verfahren für Plasma und Erythrozyten-Konzentrate geprüft werden. Die Pathogen-Inaktivierung, so Klüter, "könnte bald zu einem neuen Standard in der Transfusionsmedizin werden, insbesondere auch in den Ländern der dritten Welt, in denen bislang Testverfahren nicht zugänglich sind".

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