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Fluoridiertes Speisesalz auch für Großküchen gefordert

24.09.2001
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Fluoridiertes Speisesalz auch für Großküchen gefordert

von Ulrike Wagner, Eschborn

Seit zehn Jahren können Verbraucher in Deutschland zur Kariesvorbeugung fluoridiertes Speisesalz verwenden, das in Kombination mit Iodsalz im Handel ist. Die nach Ansicht des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde einfachste, wirksamste und preiswerteste Methode zur Prophylaxe kann Kariesdefekte um die Hälfte verringern, heißt es in einer Pressemitteilung der Informationsstelle für Kariesprophylaxe.

Mit Fluorid angereichertes Speisesalz ist einfach zu handhaben: Eine Überdosierung ist beim Einsatz von Salz in üblichen Mengen nicht möglich. Auf Dosierungen und Einnahmezeiten wie bei Fluoridtabletten muss zudem niemand achten, erklärt Dr. Hanns-Werner Hey vom Deutschen Arbeitskreis für Zahnheilkunde.

Die Erfolgsstory begann vor 40 Jahren in der Schweiz. Dort registrierten die Ärzte eine katastrophale Menge kariös zerstörter Kinderzähne - kein Wunder bei dem Angebot an Schokolade. Die Schweizer begannen daraufhin, Kinder und Jugendliche intensiv zahnärztlich zu betreuen und Fluorid vorbeugend zur Bekämpfung von Karies anzuwenden - teilweise durch Fluoridierung des Trinkwassers, überwiegend jedoch mit fluoridiertem Speisesalz. Innerhalb von 30 Jahren sank die Kariesrate bei Schulkindern um mehr als 80 Prozent.

Salz erleichtert Prophylaxe

In Deutschland war es dem Arbeitskreis für Zahnheilkunde erst 1991 gelungen, eine Ausnahmegenehmigung für fluoridiert-iodiertes Speisesalz zu erhalten, nachdem es zuvor in Frankreich zugelassen worden war. Inzwischen beträgt dessen Marktanteil 50 Prozent, der des 1981 eingeführten Iodsalzes liegt einschließlich der kombinierten Form bei 70 Prozent.

Kariesprophylaxe wurde dadurch viel einfacher. Früher musste der Zahnarzt den Eltern mühsam die altersabhängige Dosierung der Fluoridtabletten erklären. Jetzt wird ab dem sechsten Lebensmonat nur noch fluoridhaltige Kinderzahnpaste empfohlen, ab dem zweiten Lebensjahr Speisen mit fluoridiertem Iodsalz. Kinder ab sechs Jahre können fluoridierte Zahnpasta für Erwachsene verwenden. Wenn bei der Zubereitung von Speisen auf fluoridiertes Iodsalz verzichtet wird, können wie bisher Fluoridtabletten verordnet werden. Diese sollten dann aber gelutscht werden, um eine lokale Wirkung zu erreichen, heißt es in der Pressemitteilung.

Auch für Bäckereien

Hey plädiert für einen breiteren Einsatz des fluoridierten Speiesesalzes, zum Beispiel auch in Gemeinschaftsküchen und Bäckereien. Unterstützt werden die Zahnärzte dabei durch die gesetzlichen Krankenkassen. Allerdings müssten dafür die gesetzlichen Restriktionen für den Einsatz von fluoridiertem Speisesalz in der Gemeinschaftsverpflegung und der Lebensmittelbrache gelockert werden. Zudem darf das angereicherte Salz nur in Haushaltspackungen vertrieben werden. Dies erschwert den Einsatz in Großküchen und anderen Institutionen zusätzlich. Viele Großküchen, die grundsätzlich gerne bereit wären, Iodsalz mit Fluorid zu verwenden, scheuen den Aufwand beim Einholen einer entsprechenden Genehmigung durch die Behörden, so Professor Dr. Dr. Hans Jörg Staehle vom Uni-Klinikum Heidelberg. Um hier Fortschritte zu erzielen, sollte das Verfahren vereinfacht und der Verwaltungsaufwand reduziert werden.

Modellprojekt für die Gemeinschaftsverpflegung mit fluoridiertem Speisesalz ist die Kantine des Heidelberger Universitätsklinikums. Die Köche verwenden dort seit 1999 das mit Fluorid angereicherte Salz. Die Studie wird von der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit wissenschaftlich begleitet, berichtet Staehle. Die Ergebnisse bestätigten die bisherigen Studien. Der regelmäßige Verzehr von Speisen, die mit fluoridiertem Salz zubereitet sind, verbessert die Fluoridzufuhr. Mit der Verwendung des angereicherten Speisesalzes ist keinerlei gesundheitliche Gefahr verbunden und eine Überdosierung mit Fluorid ist sicher auszuschließen.

Eine Einschränkung gilt jedoch für den Einsatz von Fluor: Es sollte grundsätzlich nur eine Form systemischer Fluoridzufuhr gewählt werden, Fluoridtabletten oder fluoridiertes Speisesalz beziehungsweise fluoridreiches Mineralwasser. Zuviel Fluor kann während der Entwicklung der bleibenden Zähne Fluorose verursachen, Flecken im Zahnschmelz. Als Basisprophylaxe für jedes Lebensalter empfehle sich fluoridiertes Speisesalz und fluoridierte Zahnpaste, heißt es in der Pressemitteilung.

Besser lokal als systemisch

An der Zahnoberfläche läuft ständig ein Prozess von De- und Remineralisation ab. Bereits in geringer Konzentration trägt Fluorid dazu bei, dieses Gleichgewicht zu Gunsten der Remineralisation zu verschieben, so dass keine Kariesschäden entstehen. Deshalb sollten möglichst häufig leicht erhöhte Fluoridkonzentrationen im Speichel vorliegen - idealerweise durch fluoridierte Zahnpaste oder Speisen, die mit fluoridiertem Speisesalz zubereitet werden.

Fluorid entfaltet bei der Kariesprophylaxe vor allem eine lokale Wirkung. Erfolge systemischer Fluoridgaben, wie fluoridiertes Trinkwasser, Speisesalz oder die Einnahme von Fluoridtabletten, seien im Wesentlichen auf deren lokale Effekte vor dem Verschlucken zurückzuführen. Heruntergeschlucktes Fluorid bewirkt zusätzlich eine geringe Erhöhung der Fluoridkonzentration im Speichel, der die Zähne umspült. Fluoridtabletten vor Durchbruch des ersten Milchzahnes sind nicht nötig.

 

Die Informationsstelle für Kariesprophylaxe hat ein neues Faltblatt herausgegeben, das kurz und verständlich über die Wirkung von Fluoriden in Zahnpaste und Speisesalz informiert und Empfehlungen zur praktischen Anwendung von Fluoriden enthält. Es kann kostenlos angefordert werden (frankierter Rückumschlag erbeten) bei der Informationsstelle für Kariesprophylaxe, Postfach 15 41, 64503 Groß-Gerau, Telefon (0 61 52) 81 46 6, Fax (0 61 52) 81 78 8, E-Mail: daz@Kariesvorbeugung.de.

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