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Neue Sorglosigkeit gegenüber sexuell übertragbaren Krankheiten

13.08.2001
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Neue Sorglosigkeit gegenüber sexuell übertragbaren Krankheiten

PZ  In England und Wales steigt die Zahl der sexuell übertragenen Erkrankungen seit Mitte der neunziger Jahre kontinuierlich an. Das meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) im Epidemiologischen Bulletin (Nummer 32) und bezieht sich auf zwei britische Studien. Besonders auffällig sei die Verbreitung der Gonorrhö, die letztes Jahr den höchsten Stand seit 13 Jahren erreichte. Die Erkrankung sei ein guter und empfindlicher Marker für das Schutzverhalten bei riskanten sexuellen Kontakten, schreibt das RKI.

Eine solche Zunahme signalisiere eine Änderung im Sexualverhalten in Richtung erhöhte Infektionsrisiken. Insgesamt sei die Entwicklung sehr beunruhigend, zumal zum Beispiel HIV-positive Männer überproportional häufig an Syphilis-Ausbrüchen beteiligt waren. Wahrscheinlich sei das durch die HIV/Aids-Präventionskampagnen Mitte bis Ende der achtziger Jahre verbesserte Schutzverhalten, das einen deutlichen Rückgang der HIV-Neuinfektionen und anderer sexuell übertragbarer Krankheiten bewirkt hatte, in den letzten Jahren allmählich verloren gegangen, vermutet das RKI.

Vor allem jüngere Menschen, die den "Aids-Schock" nicht mehr unmittelbar miterlebt haben, lassen sich von den herkömmlichen präventiven Botschaften offensichtlich nicht mehr überzeugen. Es gebe verschiedene Hinweise, dass dies grundsätzlich auch für Deutschland zutreffe, so das RKI. Das Phänomen der "neuen Sorglosigkeit" werde auch hier beobachtet, ein Zunahme der sexuell übertragbaren Erkrankungen habe man jedoch bislang nicht so deutlich und flächendeckend wie in England beobachtet. Top

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