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Dem Autismus auf der Spur

07.08.2000  00:00 Uhr

-MedizinGovi-Verlag

Dem Autismus auf der Spur

PZ-Artikel

Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg haben eine Genvariante entdeckt, die gehäuft bei Autisten auftritt. Dr. Sabine Klauck von der Abteilung Molekulare Genomanalyse und ihre Mitarbeiter untersuchten das Gen, das für das Serotonin-Transporterprotein kodiert. Sie stellten fest, dass der entsprechende Erbgutabschnitt in zwei funktionell unterschiedlichen Formen vorkommt. Eine dieser Varianten tritt gehäuft bei autistischen Menschen auf, meldet das DKFZ.

Aus biochemischen und pharmakologischen Untersuchungen war bekannt, dass bestimmte Botenstoffe, die für die Signalübertragung zwischen Nervenzellen wichtig sind, in Zusammenhang mit Autismus stehen. Dazu gehört auch der Transmitter Serotonin, der unter anderem Wahrnehmung und Stimmung beeinflusst.

Klauck und ihre Mitarbeiter haben zudem nach Gemeinsamkeiten im Erbgut erkrankter Geschwister gesucht. Anhand der gewonnenen Daten erhoffen sie sich weitere Hinweise auf genetische Ursachen des Autismus. Die Untersuchungen sind Teil des eurpäisch-amerikanischen Autismus-Projekts IMGSAC (International Molecular Genetic Studiy of Autism Consortium). Molekulargenetiker dieses Projekts fanden sechs weitere Abschnitte im Erbgut, die offenbar mit der Krankheit in Beziehung stehen. Klauck und ihre Partner arbeiten an der Entschlüsselung der beiden wichtigsten Regionen, um so weiter Zusammenhänge zwischen der Erkrankung und den Erbanlagen aufzudecken. Eine Analyse der Gene und die Kenntnis ihrer Produkte bilde möglicherweise die Basis für die Entwicklung von Medikamenten, hoffen die Forscher.

Autismus beruht auf einer Entwicklungsstörung des Gehirns. Die Erkrankung tritt meist in den ersten drei Lebensjahren bei einem von 2500 Kindern auf. Typisch sind stark eingeschränkte Sozialkontakte, verzögerte Sprachentwicklung und eine geringe Anzahl von sich wiederholenden Verhaltensweisen.

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