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Einmaliger Eingriff an Ungeborenem

22.07.2002
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Einmaliger Eingriff an Ungeborenem

dpa  Mediziner am Marburger Universitätsklinikum haben ein ungeborenes Kind in der 26. Schwangerschaftswoche erfolgreich an der Harnröhre operiert.

Der Eingriff im Mutterleib sei weltweit einmalig, sagte der Direktor der Klinik für Geburtshilfe, Professor Dr. Stephan Schmidt, in Marburg. Bei dem männlichen Fötus hatten Ärzte per Ultraschalluntersuchung einen angeborenen Verschluss der Harnröhre entdeckt. Bei dieser Diagnose brechen nach Schmidts Darstellung viele Frauen eine Schwangerschaft ab, weil die meisten Babys vor oder kurz nach der Geburt sterben würden.

Eine Blockade der Harnröhre durch eine so genannte Urethralklappe führt dazu, dass sich der Urin in der Blase staut. "Der Druck, der dabei entsteht, zerstört die Nieren des Fötus - wenn man erst nach der Geburt operiert, kommen die Nieren nicht mehr in Gang", erklärte Schmidt. Auch die Lungen seien von dem Hindernis in der Harnröhre betroffen, weil der in der Blase gestaute Urin nicht ins Fruchtwasser fließen könne: "Die Kinder liegen fast trocken." Dadurch drücke der Gebärmuttermuskel auf den Brustkorb des Babys, und die Entwicklung der Lungenbläschen werde so gestört, dass das Kind ersticken könne.

Mit Hilfe eines Endoskops schoben die Marburger Ärzte daher einen ein Millimeter dünnen und zehn Zentimeter langen Katheter in die Blase des Ungeborenen. Der Urin konnte abfließen, die Nieren wurden entlastet. Das Baby, das nach dem Eingriff im November 2001 im April das Licht der Welt erblickt hat, musste nach der Geburt nicht weiter behandelt werden. "Lunge und Nierenwerte sind okay, heute ist es ein ganz normales Kind."   Top

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