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Besoffen, bekifft, verpeilt

16.07.2001
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SUCHTPRÄVENTION

Besoffen, bekifft, verpeilt

von Stephanie Czajka, Berlin

Love-Parade und Internet: Beides kommt bei Jugendlichen an, beides nutzt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) jetzt, um Jugendliche über Drogen zu informieren. Mit Beginn der Love-Parade in Berlin am kommenden Samstag startet die BZgA ein Internetportal zur Suchtprävention (www.drugcom.de). Der Veranstalter der Love-Parade wird von seiner Homepage aus Links zu drugcom.de schalten. drugcom.de wird zudem am Wochenende der Techno-Party die Startseite auf den Bildschirmen eines Internetcafés in Berlin sein.

Das Café (Website, Joachimstalerstraße 41) wurde von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marion-Caspers Merck, eigens zu diesem Zweck angemietet. Neben virtuellen, werden auch Berater aus Fleisch und Blut dort anwesend sein. Caspers-Merck selbst kündigte für Samstagvormittag ebenfalls ihr Kommen an. Das Café wird Samstag und Sonntag von 10 bis 22 Uhr geöffnet sein. "Ich begrüße das Internet-Projekt ausdrücklich", sagte die Drogenbeauftragte vergangene Woche während einer Pressekonferenz in Berlin. Drugcom.de sei "genau der richtige Ansatz", um die Teilnehmer von Techno-Partys zu erreichen. Immerhin haben die Hälfte bis zwei Drittel des Techno-Publikums Erfahrungen mit Cannabis, bis zu 60 Prozent mit Ecstasy.

Individuelle Tests

Fünf Wege führen von der Startseite von drugcom.de aus weiter. In "Druginfo" können Jugendliche ihr Wissen über Drogen testen, erhalten auch bei falschen Antworten die richtigen Informationen und können über Links in einem lexikalischen Teil weiterlesen. Der Test wird individuell ausgewertet und kommentiert. Die Testfragen sind nach Suchtstoffen gruppiert. Ob Nikotin kurzsichtig macht oder eher zu Zahnausfall führt, wird zum Beispiel gefragt. Ein Seitenpfad fasst die wichtigsten Fragen zusammen (faq, frequently asked questions). "Drugworks" stellt Projekte dar, die zum Beispiel Schülergruppen zur Drogeninformation entwickelt haben. Drugcom.de bietet so die Plattform für die Veröffentlichung eigener Ideen. Die Beispiele sollen außerdem anregen, selbst tätig zu werden.

"Drugtalk" ermöglicht den Austausch der Jugendlichen untereinander. Die Gruppe wird begrenzt auf 25 Teilnehmer. Geleitet werden die Chats von Moderatoren, die zugleich kompetente Beratung bieten können und außerdem die Sprache der Jugendlichen verstehen. Chats gibt es zu bestimmten Themen und bestimmten Zeiten. Wer lieber eine individuelle Beratung möchte, kann sich vom Chat aus in eine Beratungsecke zurückziehen. E-Mails werden "in kurzer Zeit" beantwortet, versprechen die Mitarbeiter des Portals. Ein vierter Weg "Freestyle" soll auf andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung hinweisen, eine "Helpline" ermöglicht Links und Informationen zu Giftnotrufzentren.

Das Projekt hat eine Laufzeit von zunächst drei Jahren und soll bei positiver Resonanz weiter ausgebaut werden. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA, ist zuversichtlich, dass die Internetseiten gut angenommen werden. Bei einem ähnlichen Projekt zum Thema Sexualität (www.loveline.de) würden die Seiten teilweise bis zu 750.000 mal pro Monat angeklickt. Über die Love-Parade hinaus wird die BZgA aber auch mit Broschüren, Flugblättern und Postkarten für drugcom.de werben. Die Anzeigenaktion läuft unter der Überschrift: besoffen, verstrahlt, bekifft, verpeilt. Top

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