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Fisch bitte zwei Mal wöchentlich

09.06.2003  00:00 Uhr

Fisch bitte zwei Mal wöchentlich

von Dagmar Knopf, Berlin

Mit recht einfachen Ernährungsregeln lässt sich das Risiko des plötzlichen Herztodes deutlich senken. Zwei Mal wöchentlich eine Portion Fisch reicht bereits, um die gefährlichen Rhythmusstörungen zu verhindern.

Was Gesundheitsexperten schon seit Jahren wissen und auch immer wieder predigen, hat sich nun erneut bewahrheitet: Fisch ist gesund. So senkt der regelmäßige Verzehr von Fisch nicht nur Gewicht, Cholesterolspiegel und Schlaganfallrisiko, sondern ist auch gut fürs Herz.

Doch was steckt biochemisch hinter dem offensichtlich positiven Einfluss von Seefisch auf Herz-Rhythmus-Erkrankungen, der schon in mehreren Studien bewiesen werden konnte? Mithilfe von In-vitro-Untersuchungen konnten Alexander Leaf und seine Kollegen von der Harvard Medical School diese Frage nun beantworten (Circulation, Band 107, Seite 2646 bis 2652).

Die Wissenschaftler kultivierten Herzmuskelzellen aus neugeborenen Ratten und beobachteten sie unter dem Mikroskop. Sie konnten sehen, wie die Zellen zuerst zusammenklumpten und anschließend anfingen, spontan und rhythmisch zu schlagen. An diesen Modellen testeten die Forscher den Einfluss unterschiedlicher Stoffe auf die Herzzellen und einen möglichen Schutzeffekt vor Arrhythmien.

„Die Tierexperimente zeigten, dass bestimmte Fettsäuren in den Zellmembranen von Herzmuskelzellen eingebaut werden und dadurch sowohl den plötzlichen Herztod als auch die tödlichen Rhythmusstörungen verhindern“, beschreibt Leaf den im Labor erbrachten Beweis. Bei den Fettsäuren handelt es sich um die wohlbekannten Omega-3-Fettsäuren, von den besonders Lachs und Thunfisch hohe Konzentrationen aufweisen. Die mehrfach ungesättigten essenziellen Fettsäuren gelten deshalb als wertvoll, weil sie durch ihre geknickten Form die Zellmembran elastisch erhalten.

In Herzrhythmuszellen haben sie anscheinend noch einen weiteren positiven Effekt: Sie blockieren den übermäßigen Strom von Natrium und Calcium durch die Zellmembran. Die durch den Ionenfluss hervorgerufenen Ladungsänderungen gelten als Auslöser für die gefährlichen und unberechenbaren Änderungen des Herzrhythmus.

Der erste klinische Hinweis, dass essenzielle Omega-3-Fettsäuren gut fürs Herz sind, stammt aus dem Jahre 1989. Hier zeigte eine zweijährige Studie an über 2000 Männern, dass eine fischreiche Ernährung das Risiko eines plötzlichen Herztodes um 29 Prozent senkt. Dieser Untersuchung folgte eine Reihe beobachtender Studien und kontrollierter klinischer Prüfungen. Alle kamen zum gleichen Schluss: Eine Ernährung mit viel Fisch reduziert das Risiko für den plötzlichen Herztod.

Falls mal keine Zeit vorhanden ist, frischen Fisch auf den Tisch zu bringen, kann auch eine Dose Thunfisch die nötigen Fettsäuren liefern. Eine Bedingung gibt es allerdings: Der zerkleinerte Fisch sollte in Wasser gelagert sein. In Öl aufbewahrter Thunfisch mag zwar besser schmecken, ist aber leider nutzlos fürs Herz. Denn das Öl entzieht dem Fisch seine wertvollen Omega-3-Fettsäuren, der dann gehaltlos zurückbleibt. Top

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