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Auslösendes Gen gefunden

21.05.2001
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MORBUS CROHN

Auslösendes Gen gefunden

dpa  Unabhängig voneinander haben Forscher in den USA und Europa eine genetische Grundlage für den Ausbruch der Darmerkrankung Morbus Crohn entdeckt. Sie beschreiben das Gen Nod2 und seine Funktion in der britischen Fachzeitschrift Nature (Band 411, Nummer 6387) vom 31. Mai.

Vor allem junge Erwachsene leiden an der chronischen Entzündung der Darmschleimhaut mit starken Durchfällen, Bauchkrämpfen und allgemeiner Körperschwäche. Nach Angaben der Forscher reagiert das Immunsystem der Patienten verstärkt auf die Bakterien im Darm. Durch die Überreaktion wird die Darmschleimhaut angegriffen und es bilden sich Geschwüre.

Das Gen liege auf dem Chromosom 16, schreiben die Teams um Gilles Thomas von der Klinik Saint Antoine in Paris und Gabriel Nunez von der Michigan Medical School in Ann Arbor. Normalerweise bewirke es die Produktion eines Eiweißes, das die Immunabwehr im Darm regelt. Das Gen sei bei einer Anzahl von Morbus Crohn-Patienten verändert und störe damit das Gleichgewicht zwischen Darm und Verdauungs-Bakterien. Dies löse vermutlich die Krankheit aus. Schon 1996 hatten Forscher das Chromosom 16 in Zusammenhang mit Morbus Crohn gebracht.

Nicht alle Menschen, die das mutierte Gen tragen, erkranken jedoch laut Aussagen der Forscher. Sie hätten aber eine stärkere Veranlagung. Möglicherweise könnten nun Vorsorgemaßnahmen für diese Menschen und Therapien für Patienten entwickelt werden. Die Forscher betonten auch, das eine Vielzahl genetischer Ursachen für die Darmerkrankung in Frage komme. Dies sei jedoch das erste Gen, das definitiv identifiziert worden sei. Top

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