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Weltraumforschung für Bettlägerige

14.04.2003
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Weltraumforschung für Bettlägerige

von Conny Becker, Berlin

Das Zentrum für Muskel- und Knochenforschung am Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Berlin stellte am Dienstag die ersten Ergebnisse der Berliner BedRest-Studie vor. Das eingesetzte Vibrations-Muskeltrainingsgerät Gelileo Space könnte demnach sowohl Astronauten auf ihrem Flug zum Mars als auch Bettlägerige vor Muskel- und Knochenatrophien bewahren.

Zur Simulation der Schwerelosigkeit verbrachten vier junge Männer die vergangenen acht Wochen ausschließlich im Bett liegend. Zwei von ihnen trainierten zweimal täglich vier Minuten lang mit dem Galileo Space. Dabei zogen sie mit den Armen an elastischen Gurten beziehungsweise stemmten mit den Füßen gegen diese. Die Vorspannung der Gurte war variabel und bestimmte als statische Komponente, wieviel Kraft der Proband aufbringen musste.Die Gurte waren zudem mit einer vibrierenden Platte verbunden. Diese Vibration verlangte von dem Trainerenden einen zusätzlichen Kraftaufwand ab, da sie zahlreiche Muskelreflexe hervorrief.

Nach acht Wochen Immobilisation nahm das Muskelvolumen bei der Kontrollgruppe um 20 bis 30 Prozent ab, und auch die Knochendichte sank (3 bis 4 Prozent). Die Testpersonen der Trainingsgruppe hingegen wiesen eine unveränderte Knochendichte auf und konnten zudem Muskelvolumen aufbauen.

Für ältere, bettlägerige Patienten seien bereits modifizierte Programme in Planung, sagte der wissenschaftliche Leiter der Studie, Professor Dr. Dieter Felsenberg. Auch für querschnittsgelähmte oder komatöse Patienten lägen entsprechende Konzepte vor. Das Muskeltraining könnte künftig die Muskel- und Knochenatrophie nach Immobilisierung entgegenwirken und so Rehabilitations-Maßnahmen erleichtern. Dabei sei der Preis für ein Gerät mit 4000 bis 5000 Euro nicht astronomisch hoch. Top

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