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Große Akzeptanz von Darmspiegelungen

05.04.2004
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Große Akzeptanz von Darmspiegelungen

von Conny Becker, Berlin

Bereits 350.000 Deutsche haben eine präventive Koloskopie machen lassen, seit die Methode im Oktober 2002 als gesetzliche Vorsorgeleistung eingeführt wurde, berichtete Dr. Manfred Richter-Reichhelm, Erster Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, in Berlin. Experten schätzen jedoch, dass erst mit rund 500.000 präventiven Darmspiegelungen pro Jahr eine ausreichende Vorsorge bei den Anspruchsberechtigten, also in der Regel über 56-jährigen Personen, erreicht wird.

Deshalb gelte es weiterhin, das Thema anzusprechen und zu enttabuisieren. „Knapp die Hälfte der Darmkrebs-Patienten sterben an der Erkrankung, und das muss nicht sein,“ so der KBV-Vorsitzende. Um diese „immer noch dramatisch hohe Sterblichkeitsrate“ zu senken, müsse man die Bevölkerung intensiv aufklären und die Angst, die viele vor einer Koloskopie haben, abbauen.

Bei der Koloskopie gelten hohe Anforderungen zur Qualitätssicherung: Jeder Koloskopeur muss mindestens 200 Darmspiegelungen gemacht und 50 Polypen entfernt haben, um die Vorsorgeuntersuchungen über die Kassen abrechnen zu können. Diese Kriterien erfüllen nur etwa 10 Prozent der Internisten, schätzte Reichhelm.

Um die Akzeptanz der Methode zu testen, lassen Kassen und KBV neben der ärztlichen Dokumentation auch die Patienten stichprobenartig befragen und zwar vor und nach der Untersuchung. Die Auswertung von rund 1000 Fragebögen habe ergeben, dass die Betroffenen die Koloskopie überaus positiv bewerten, informierte die Pressesprecherin der Deutschen Krebshilfe, Dr. Eva M. Kalbheim. So würden 99 Prozent der Befragten den Eingriff weiterempfehlen, 90 Prozent bezeichneten die vorbereitenden Abführmaßnahmen und etwa 60 Prozent auch die Darmspiegelung selbst als gut zu ertragen. „Die Akzeptanz der präventiven Koloskopie bei den Betroffenen ist schon sehr gut“, sagte die Medizinerin. Denn die Öffentlichkeitsarbeit trage Früchte.

So steigen seit der Einführung des Darmkrebsmonats März in 2002 jeweils im April die Terminanfragen für eine Koloskopie. Dennoch bestehe weiterhin ein großer Aufklärungsbedarf, den neben Hausärzten auch Apotheker und Heilpraktiker decken müssten. Schließlich kann eine Vorsorge-Koloskopie Darmkrebs in frühen Stadien aufdecken und damit die Heilungschancen erhöhen oder sogar das Entstehen von Darmkrebs verhindern, indem Polypen erkannt und entfernt werden. Ziel der Deutschen Krebshilfe sei es, in den nächsten fünf bis zehn Jahren die Sterblichkeit bei Darmkrebs zu halbieren. Top

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