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Die erbliche Form ist selten

19.02.2001
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MORBUS PARKINSON

Die erbliche Form ist selten

von Gertrude Mevissen, Bad Nauheim

Epidemiologische und molekulargenetische Studien deuten inzwischen immer stärker auf eine genetische Komponente bei Morbus Parkinson hin. Doch wie hoch ist das Parkinson-Risiko für Verwandte von Kranken tatsächlich?

Die Parkinson-Erkrankung ist keine Erbkrankheit im klassischen Sinne, erklärte Privatdozent Dr. Thomas Gasser von der Neurologischen Klinik und Poliklinik Großhadern, München, während eines Symposiums in der Parkinsonklinik Bad Nauheim. Sie tritt vielmehr sporadisch auf und betrifft meist eine Person in der Familie. Nur in jedem zehnten Fall erkranken Verwandte. Ob daran Veränderungen im Erbgut beteiligt sind, ist bislang noch unklar, auch wenn epidemiologische Untersuchungen diesen Schluss nahe legen. Nur bei sehr wenigen Patienten ist ein Defekt in einem einzigen Gen die Ursache der Erkrankung. Diese Form des Morbus Parkinson tritt dann innerhalb von Familien gehäuft auf, und der Erbgang folgt den typischen Mendelschen Regeln.

Jeder kann an Parkinson erkranken: Menschen über 60 Jahre haben ein relatives Risiko von 1 bis 2 Prozent. Es steigt, wenn Verwandte ersten Grades, wie Eltern, Kinder oder Geschwister, betroffen sind. Das relative Risiko liege dann jedoch nur 2 bis 4 Prozent über dem der Normalbevölkerung. "Ein verglichen mit anderen internistischen Erkrankungen relativ geringes Risiko, das für Angehörige eigentlich keine Relevanz hat", meint Gasser. Selbst bei einer genetischen Disposition komme es nicht zwingend zum Parkinsonismus. Erst wenn toxische Substanzen wie bestimmte Verunreinigungen in Drogen in großen Mengen hinzukämen, könne eine erbliche Veranlagung den Krankheitsausbruch begünstigen.

Parkinson-Gene

Besondere Fortschritte hat die Forschung in den letzten Jahren bei der familiär gehäuft auftretenden Form der Erkrankung gemacht. In den betroffenen Familien konnten Wissenschaftler einen Gendefekt ausfindig machen und identifizierten so das erste Parkinson-Gen. Mutationen in diesem so genannten PARK-1-Gen sind offenbar die Ursache für die autosomal-dominant vererbbare Form der Parkinson-Erkrankung.

PARK-1 liefert die Matrize für a-Synuklein, ein Protein, das Hauptbestandteil der für die Parkinson-Erkrankung charakteristischen Lewy-Körper ist. Da verändertes a-Synuklein nicht mehr abgebaut werden kann, kumuliert es nach Meinung von Experten zu Lewy-Körpern und führt zum Zelltod.

Die Betroffenen erkranken im Durchschnitt mit 44 Jahren, der Phänotyp gleicht dem des Dopa-responsiven Parkinson-Syndroms. Allerdings tritt diese autosomal-dominante Form nur selten auf.

Fliegen mit Morbus Parkinson

Große Hoffnungen setzt die Parkinsonforschung jetzt in Drosophila-Fliegen, denen das Gen für krankhaftes a-Synuklein eingepflanzt wurde. Die genmanipulierten Fliegen entwickelten Lewy-Körper und Parkinson-ähnliche Symptome, "ganz wie wir Menschen", berichtete Gasser. Man versuche daher, ihre Klettergeschwindigkeit zu standardisieren, um demnächst zum Beispiel die Wirkung von Neuroprotektiva testen zu können.

Neben PARK-1 werden zwei weitere Gene mit der erblichen Form der Parkinson-Erkrankung in Verbindung gebracht: das PARK-2-Gen, auch Parkin genannt, das offenbar autosomal-rezessiv vererbt wird. Und PARK-3, das für das so genannte "dominant erhebliche Parkinson-Syndrom" verantwortlich gemacht wird. Mutationen in PARK-2 führen bereits im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt zur Erkrankung. Von PARK-3 kennt man bislang nur den Gen-Ort, Gensequenz und Genprodukt sind noch unbekannt. Top

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