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Aufklärung senkt Suizidgefahr

09.02.2004  00:00 Uhr

Aufklärung senkt Suizidgefahr

von Brigitte M. Gensthaler, München

Rund die Hälfte aller Selbstmorde in Deutschland geht Studien zufolge auf depressive Erkrankungen zurück. Systematische Aufklärung über Depression kann die Suizidgefahr reduzieren. Dies ist ein Ergebnis der Arbeit des „Nürnberger Bündnisses gegen Depression“.

Das Bündnis unter Leitung von Professor Dr. Ulrich Hegerl von der Psychiatrischen Klinik der Universität München startete 2001 ein zweijähriges Aktionsprogramm in Nürnberg. Ein wesentlicher Teil der Arbeit bestand in der Fortbildung von Ärzten, Pflegekräften, Lehrern, Seelsorgern und Medienvertretern über Diagnose, Therapie und Betreuung von Patienten mit Depressionen. In einer breit angelegten Kampagne wurden die Bürger für die Erkrankung sensibilisiert. Zudem unterstützte das Bündnis die Selbsthilfe und Angebote für selbstmordgefährdete Menschen. Jetzt liegen erste Auswertungen zum Erfolg der Kampagne vor.

Innerhalb eines Jahres ging die Zahl der Suizidversuche gegenüber dem Vorjahr um etwa 25 Prozent zurück, berichtete Hegerl vor Journalisten in München. Die Rate der Versuche, dem Leben mit „harten“ Methoden wie Erschießen, Erhängen, Ertrinken oder Überrollenlassen ein Ende zu setzen, nahm um fast die Hälfte ab. Vor allem jüngere Menschen schienen von der Kampagne zu profitieren. Auch die Zahl der Selbstmorde ging zurück, jedoch lag dies innerhalb der statistischen Schwankungsbreite.

Für ihre erfolgreiche Aktion erhielt die Arbeitsgruppe Ende letzten Jahres den mit 12.500 Euro dotierten Hermann-Simon-Preis für Sozialpsychiatrie, den die Lundbeck GmbH, Hamburg, jährlich stiftet. Das Projekt soll jetzt bundesweit umgesetzt werden. In vielen Städten arbeiten Gruppen an Antidepressionskampagnen. Auch in europäischen Ländern, zum Beispiel in Island, zwei Schweizer Kantonen und Südtirol, wird das Programm bereits erprobt, sagte Hegerl. Top

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