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Brustkrebs-Patientinnen in Deutschland schlecht therapiert

05.02.2001  00:00 Uhr

Brustkrebs-Patientinnen in Deutschland schlecht therapiert

von Christiane Berg, Hamburg

"Diagnose und Behandlung von Brustkrebs sind keine deutschen Markenartikel", sagte Ursula Goldmann-Posch, Augsburg, Betroffene und Autorin des Buches "Der Knoten über meinem Herzen". Während des Norddeutschen Zytostatika-Workshops am 26. Januar forderte sie, das Bewusstsein für Brustkrebs zu stärken sowie eine bessere Früherkennung, Diagnostik und Therapie.

In der Bundesrepublik sei es bisher nicht gelungen, flächendeckend ein gut organisiertes und qualitativ hochwertiges Früherkennungsprogramm gemäß europäischer Leitlinien zu etablieren. Goldmann-Posch kritisierte das Fehlen adäquater klinischer Studien, den Mangel an interdisziplinärer Kommunikation sowie die schlechte Information und Betreuung von Krebspatientinnen.

Die Journalistin, die 1996 der Schock der Diagnose Brustkrebs traf, erhielt von fünf Ärzten fünf verschiedene Behandlungsempfehlungen. Sie beklagte, dass in Deutschland die Therapieleitlinien zur Behandlung des Mammakarzinoms nur zu 5 Prozent eingehalten werden. Nach Frankreich, Schweden, Island, Finnland oder der Schweiz nehme die Bundesrepublik erst den achten Platz im "Fünf-Jahres-Überleben" nach der Diagnose Brustkrebs ein.

Jährlich sterben 19.000 Frauen

"Verschleppt, zu spät erkannt oder dem individuellen Risiko entsprechend nicht angemessen behandelt": In Deutschland erkranken jährlich 46.000 Frauen an Brustkrebs, 19.000 Frauen sterben daran. Für Frauen bis zum 55-sten Lebensjahr ist Brustkrebs die häufigste Todesursache. Goldmann-Posch fordert die Senkung der Sterblichkeitsrate durch die verbesserte Versorgung von brustgesunden und brustkranken Frauen auf amerikanischem Niveau. Deutschland sei derzeit der einzige westliche Industriestaat, in dem die Sterblichkeit an Brustkrebs weiterhin steigt, während sie in anderen Ländern sinkt. 

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