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Test ermittelt Risiko für Fehlgeburten

19.01.2004
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Test ermittelt Risiko für Fehlgeburten

von Dagmar Knopf, Limburg

10 bis 15 Prozent aller ärztlich festgestellten Schwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt. Ein einfacher Bluttest könnte in Zukunft helfen, das Risiko für einen Spontan-Abort abzuschätzen, sagen australische Forscher.

In vielen Fällen ist eine schwer wiegende Veränderung der Chromosomenzahl (Aneuploidie) des Embryos für die Fehlgeburt verantwortlich, doch auch eine große Zahl an Schwangerschaften mit normalem Chromosomenbestand endet vorzeitig. Bislang existiert weder eine Behandlungsmethode noch ein etablierter Marker, anhand dessen das Risiko eine Fehlgeburt abzuschätzen wäre. Einer der wenigen bekannten Hinweise ist das humane Choriongonadotropin (hCG), dessen Konzentration zum Zeitpunkt einer Fehlgeburt sinkt.

Doch möglicherweise lässt sich das Risiko bereits im ersten Drittel einer Schwangerschaft bestimmen, und zwar durch einen einfachen Bluttest. Forscher der Monash University in Clayton, Australien, entdeckten einen Zusammenhang zwischen der Blutkonzentration eines an der Immunabwehr beteiligten Proteins und dem Risiko für eine Fehlgeburt. Ihre Ergebnisse publizierten die Wissenschaftler jetzt im Fachmagazin Lancet (Band 363, Seite 129 bis 130).

Stephen Tong und sein Team untersuchten das Blut von 300 Frauen, das sie im ersten Drittel ihrer Schwangerschaft - zwischen der sechsten und dreizehnten Woche – abgenommen bekamen. Die Proben stammten aus einer Serumbank, die Blutproben von mehr als 8000 Schwangeren enthält und die im Rahmen eines Screenings für das Down-Syndrom angelegt wurde. Die Forscher suchten 200 Frauen aus, bei denen die Schwangerschaft unkompliziert verlaufen war, und 100 Frauen, die ihr ungeborenes Kind verloren hatten. Zum Zeitpunkt der Blutentnahme gab es keine klinischen Hinweise auf mögliche Fehlgeburten, wie Schmerzen oder Blutverluste.

Neben dem bereits bekannten Marker hCG bestimmten die Wissenschaftler auch die Konzentration des Proteins MIC1 (macrophage inhibitory cytokine 1) im Blut. Das zu den Wachstumshormonen zählende Zytokin hemmt Makrophagen, beeinflusst vermutlich die Typ2-Helferzellen des humanen Immunsystems und ist im Gewebe der mütterlich-fetalen Grenzfläche lokalisiert. Dem aktuellen Forschungsstand zufolge reagieren Frauen, die wiederholt Fehlgeburten hatten, auf ihre Schwangerschaft mit einer Immunantwort, bei der Typ1-T-Helferzellen (Th1) über Typ2-T-Helferzellen (Th2) dominieren. Überwiegt die Th2-Antwort, ist die Schwangerschaft meist erfolgreich. Obwohl die Rolle von MIC1 noch unklar ist, könnte es für die gestörte mütterliche Immunantwort und die anschließende Abstoßung des Embryos mit verantwortlich sein.

Zusammenhang ermittelt

Das australische Forscherteam konnte tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Blutkonzentration von MIC1 und einer späteren Fehlgeburt ermitteln. Die betroffenen Frauen wiesen nur rund ein Drittel der üblichen MIC1-Konzentration im Blut auf. Die Serumkonzentration lag also um fast 70 Prozent unter der einer normalen Schwangerschaft. Diese niedrigen Werte zeigten sich bereits drei Wochen vor dem Spontan-Abort, lange bevor der Level vom humanen Choriongonadotropin zu sinken beginnt.

Diesen Ergebnissen zufolge ist MIC1 bislang der Marker, der am frühesten auf eine sich nicht ordnungsgemäß entwickelnde Schwangerschaft hinweist. Möglicherweise könnte anhand dieser Ergebnisse ein vorausschauender Test entwickelt werden. Die Hoffnung der Forscher liegt jedoch woanders. Sie hoffen, irgendwann ein Medikament zu entwickeln, das die gesunkenen MIC1-Konzentration normalisiert, um Fehlgeburten zu verhindern. Vor allem Frauen, die wiederholt Fehlgeburten erlitten haben, könnte ein solcher Wirkstoff endlich zum erwünschten Mutterglück verhelfen. Top

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