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Netzwerk für Reisemedizin

20.12.1999
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-MedizinGovi-Verlag

Netzwerk für Reisemedizin

von Ulrike Wagner, Frankfurt am Main

Immer mehr Menschen reisen in immer exotischere Länder. Reisende zu beraten ist kompliziert, und ohne entsprechende Ausbildung kann man Know-how nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. "Trotzdem kann sich jeder Arzt "Reisemedizinische Beratung" auf sein Schild schreiben, ob er Ahnung hat oder nicht", sagte Professor Dr. Erich Kröger vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf während eines Pressegesprächs von MSD.

"Die Facharztbezeichnung Reisemedizin gibt es nicht", erklärte Dr. Thomas Jelinek von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin der Universität München. Deshalb hat das Centrum für Reisemedizin (CRM) zusammen mit MSD und Gehe unter dem Namen TravelMEDÒ ein Servicekonzept entwickelt, das die reisemedizinische Beratung und Betreuung von Reisenden in Deutschland sicherstellen soll. Ziel ist es, ein bundesweites Netz von reisemedizinischen Informations- und Beratungsstellen in Apotheken, bei Ärzten und Instituten aufzubauen, das jedem Reisenden in seiner Nähe eine kompetente und aktuelle Beratung zu Gesundheitsfragen vor, während und nach der Reise ermöglicht. Ärzte und Apotheker des Netzwerk sollen auch Reisebüros als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, sagte Kröger. Unter www.travelmed.de können sich Laien und Fachleute auch im Internet informieren.

Bisher seien etwa 1500 Apotheken an das Servicenetz angeschlossen. Kröger plädierte für eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern. Zumal Apotheker schon seit zehn bis fünfzehn Jahren ihre Kunden reisemedizinisch beraten, "während die Ärzte noch geschlafen haben", sagte der Mediziner.

Apotheker, die an dem Servicenetz teilnehmen möchten, müssen ein insgesamt 15-stündiges Grund- und Aufbauseminar mit einer Abschlussprüfung absolvieren. Danach müssen sie regelmäßig, mindestens aber alle zwei Jahre, Fortbildungsveranstaltungen des Centrums für Reisemedizin besuchen. Inzwischen gibt es acht Zentren, die diese Veranstaltungen anbieten. Außerdem erhalten sie alle sechs Monate das Handbuch zur Reisemedizinischen Beratung des Centrums für Reisemedizin sowie den 14-tägigen Infodienst "Reisemedizin aktuell" mit Meldungen über wichtige Infektionskrankheiten und besondere Gesundheitsrisiken, die weltweit auftreten.

Zu dem Service-Netz gehört auch die Medical Helpline Worldwide in München. Dabei handelt es sich um einen medizinischen Dienst mit Notrufzentrale, der rund um die Uhr mit mehrsprachigen Ärzten besetzt ist. Bei Gesundheitsproblemen im Ausland stehen die Mediziner den Reisenden über Telefon zur Seite. Bei Verständigungsproblemen mit medizinischem Personal vor Ort vermitteln sie, klären Versorgungsmöglichkeiten vor Ort ab und organisieren auch einen Rücktransport nach Deutschland oder in ein adäquates Krankenhaus vor Ort.

Die Organisatoren von TravelMED haben außerdem begonnen, ein Netz regionaler Referenzzentren aufzubauen, um die Diagnostik von Tropenkrankheiten zu verbessern. In Deutschland sterben immer noch fast doppelt so viele Malaria-Patienten wie in allen anderen europäischen Ländern. "Die Diagnostik ist dort einfach besser", sagte Dr. Stefan Schubert von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin des Universitätsklinikums Leipzig.

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