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Risiken nicht aus den Augen verlieren

04.11.2002  00:00 Uhr
Weltdiabetestag

Risiken nicht aus den Augen verlieren

von Ulrike Wagner, Eschborn

Am 14. November ist Weltdiabetestag. Unter dem Motto „Deine Augen und Diabetes: Verlier die Risiken nicht aus dem Blick“ finden in mehr als 140 Ländern Veranstaltungen statt. Initiator ist die International Diabetes Foundation (IDF). Als Mitglied der IDF organisiert die Deutsche Diabetes-Union (DDU) die Aktivitäten in Deutschland. Die zentrale Veranstaltung soll in diesem Jahr in Hannover stattfinden.

Diabetes-bedingte Augenerkrankungen sind häufig. Unbehandelt beeinträchtigen sie im Laufe der Zeit das Sehen und führen schließlich zur Erblindung. Etwa 2 Prozent der Menschen, die länger als 15 Jahre an Diabetes erkrankt sind, erblinden. Bei 10 Prozent ist das Sehen stark beeinträchtigt. Hauptprobleme sind dabei die diabetische Retinopathie, das Makula-Ödem und die Linsentrübung (Katarakt, grauer Star). Retinopathie und Makula-Ödem sind spezifisch für Diabetes. Linsentrübungen kommen auch bei Menschen ohne Diabetes vor, sind aber bei Diabetes-Patienten viel häufiger.

Retinopathie

In den Industrienationen ist die Retinopathie die führende Ursache von Erblindungen und beeinträchtigtem Sehvermögen bei Erwachsenen. Hoher Blutzuckerspiegel und Bluthochdruck schädigen dabei die Gefäße. In der Folge bilden sich kleine Bläschen, so genannte Mikroaneurysmen, die platzen können und in die Retina bluten. Auch die geschädigten Blutgefäße selbst können bluten oder Flüssigkeit verlieren. Dadurch schwillt die Retina an, und es kommt schließlich zu Ablagerungen, so genannten Exsudaten. Der Betroffene bemerkt in diesem nicht-proliferativen Stadium, das auch als Hintergrund-Retinopathie bezeichnet wird, oft noch nichts von dem Schaden. Die nicht-proliferative Retinopathie ist mit 80 Prozent die häufigste Form der Blutgefäßschädigung im Auge von Diabetikern.

Sie führt selten zur kompletten Erblindung. Bei 5 bis 20 Prozent der Patienten schreitet die Retinopathie jedoch innerhalb von fünf Jahren so weit fort, dass ihr Sehvermögen schließlich stark beeinträchtigt ist. Dabei wachsen im so genannten proliferativen Stadium neue Blutgefäße, um die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Auges sicherzustellen. Diese neuen Gefäße sind aber äußerst empfindlich, weshalb schnell Blut oder Flüssigkeit austreten kann. Bei einigen Patienten bluten sie sogar in den Glaskörper, wodurch das Sehvermögen plötzlich gestört ist. Bildet sich als Folge der Retinopathie Narbengewebe, kann sich die Retina vom Augenhintergrund ablösen, was zur Erblindung führt.

Etwa einer von fünf Menschen leidet bereits unter einer Retinopathie, wenn der Diabetes diagnostiziert wird, informiert die DDU. Weil die Schädigung der Netzhaut sogar in weit fortgeschrittenen Stadien lange Zeit symptomlos bleibt, sind regelmäßige Augenuntersuchungen für Diabetiker besonders wichtig.

Ursache des Makula-Ödems ist die Blockade kleiner Blutgefäße in der Retina. Dadurch erweitern sich benachbarte Gefäße, um Sauerstoff- und Nährstoffmangel zu kompensieren. Da diese dilatierten Gefäße durchlässig sind, sammelt sich Flüssigkeit im Bereich der Makula, dem Ort schärfsten Sehens im Zentrum der Retina. Diese schwillt an und verliert schließlich ihre Funktion. Der Betroffene bemerkt meist eine Sehverschlechterung. Auch die Makulopathie kann zur Erblindung führen.

Katarakte entstehen durch Eintrübung der Linse. Sie treten generell bei Menschen über 50 Jahren auf, entwickeln sich bei Diabetikern jedoch schneller. Viele Betroffene bemerken auch von diesem Prozess über lange Zeit nichts, denn die Linse trübt sich nur langsam ein.

Regelmäßige Augenuntersuchungen

Die Behandlung der Sehstörungen kann den Prozess zwar meist aufhalten, den Verlust des Sehvermögens jedoch nicht wieder ausgleichen. Deshalb sind regelmäßige Untersuchungen der Augen ungemein wichtig. Mindestens einmal jährlich sollten Diabetiker ihre Augen überprüfen lassen. Außerdem ist die Kontrolle des Blutdrucks entscheidend, denn hoher Blutdruck erhöht das Risiko für eine Retinopathie zusätzlich. Rauchen ist ein weiterer Risikofaktor, da es neben den makrovaskulären Komplikationen wie koronare Herzkrankheit und Schlaganfall auch die Schädigung der kleinen Gefäße in den Augen fördern kann. Die Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker kann das Risiko für Augenerkrankungen um bis zu 76 Prozent senken.

Bei der Therapie steht die Laser-Chirurgie im Vordergrund. So lässt ein starker Laserstrahl zum Beispiel die abnormen Gefäße bei der Retinopathie schrumpfen. Beim Makula-Ödem versiegelt der Laser die durchlässigen Blutgefäße. Die Chirurgie kommt hauptsächlich bei der Behandlung von Katarakten und bei fortgeschrittener Retinopathie zum Einsatz. Bei Katarakten entfernen Spezialisten zum Beispiel die eingetrübte Linse und ersetzen sie durch eine klare Plastiklinse. Bei einer fortgeschrittenen Retinopathie wird per Mikrochirurgie der blutgefüllte Glaskörper entfernt.

Die IDF stellt Diabetes-Komplikationen als übergeordnete Themen ins Zentrum der Weltdiabetestage, die jeweils am 14. November eines Jahres stattfinden. Im vergangenen Jahr machte sie auf Herz- und Gefäßschäden als Folge des Diabetes aufmerksam, in den kommenden Jahren sollen Nierenerkrankungen, Übergewicht und Fußpflege das Motto bestimmen. Das Datum hat die IDF ausgewählt, weil es der Geburtstag von Frederick G. Banting, einem der Entdecker des Insulins ist. Die Deutsche Diabetes-Union ist die Dachorganisation für drei Vereinigungen: den Deutschen Diabetiker-Bund (DDB) als Vereinigung der Betroffenen, die wissenschaftliche Fachgesellschaft Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) sowie den Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher (BdKJ).

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