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Adlerauge statt Brillenschlange

30.10.2000
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Adlerauge statt Brillenschlange

von Stephanie Czajka, Berlin

Wer kurzsichtig ist, kann seine Sehschärfe operativ korrigieren lassen. Geschieht dies mit dem hochmodernen System Zyoptix, sieht der Patient hinterher womöglich schärfer als Menschen mit gesunden Augen. Auf einer Presseveranstaltung des Bundesfachverbandes Medizinprodukteindustrie (BVMed) vergangenen Woche in Berlin stellte Dr. Joachim Dresp von der Firma Bausch und Lomb Surgical GmbH diese Kombination aus Diagnose- und Operationsgerät vor.

Gesunde Hornhaut wölbt sich gleichmäßig wie eine Kugeloberfläche von rechts nach links und von oben nach unten. Ist sie nicht perfekt geformt, wird ihre Brechkraft verändert. Eine zu lange Augenachse macht den Menschen kurzsichtig. Astigmatismus (Stabsichtigkeit) bedeutet, dass die Hornhaut in einer Richtung stärker gewölbt ist als in der anderen, das Auge sieht weder in der Nähe noch in der Ferne scharf.

Der Augenarzt kann mit einem Laserstrahl Hornhautschichten abtragen und so zu starke Krümmungen ausgleichen. Der Laser ist ein sehr präzises Werkzeug, erfolgslimitierend war bislang eher die vorangehende Diagnostik. Um die Sehschärfe zu bestimmen, setzen Augenarzt oder Optiker dem Patienten meist verschiedene Brillengläser auf die Nase. Der Patient entscheidet dann, mit welchem Glas er am besten sehen kann.

Das Zyoptix-System diagnostiziert die Sehschärfe sehr viel feiner abgestuft und unabhängig vom subjektiven Eindruck des Patienten. Slit-Scanning heißt die Technik, nach der viele schmale Lichtstreifen in verschiedenen Winkeln auf das Auge projiziert werden. Das Licht wird an Vorder- und Rückfläche der Hornhaut gebrochen. Aus der Vielzahl der Bilder baut der Rechner ein Relief der Hornhaut zusammen und berechnet dann aus den Daten für Vorder- und Rückfläche die Dicke der Hornhaut berechnet, erklärte Rupert Veith, Physiker in der Applikationsabteilung des Unternehmens. Die Laseroperation wird dadurch sicherer, denn wenn die Hornhaut an einer Stelle zu dünn ist, gilt dies als Kontraindikation.

Ein Aberrometer ergänzt diese diagnostischen Möglichkeiten. Mit einem Infrarot-Laser wird ein scharfer Punkt auf die Netzhaut projiziert. Das zurückkehrende Licht wird von einem Wellenfrontsensor erfasst. Optische Fehler im Auge sind an Veränderungen der zurückkehrenden Lichtwellenfront zu erkennen.

Die diagnostischen Daten werden an den Computer des Lasers weitergegeben. Der Arzt kann den Operations-Vorschlag, den der Rechner ihm anschließend liefert, jedoch modifizieren. Bei der Operation wird zunächst ein Stück Hornhaut aufgeschnitten und hochgeklappt. Darunter wird das Gewebe mit Hilfe des Lasers verdampft. Dies sei schonender als nur das Oberflächengewebe zu entfernen, der Patient habe nach der Operation weniger Schmerzen und es könnten Fehlsichtigkeiten von minus zehn bis plus fünf Dioptrin behandelt werden, sagte Dresp. Die Molekülbindungen des Kollagens werden bei einer Wellenlänge von 193 nm aufgebrochen. Benachbartes Gewebe wird nicht angegriffen. Pro Schuss lassen sich 0,25 Mikrometer Hornhaut abtragen. Zum Vergleich: Einige tausend Schuss wären nötig, um ein Haar zu durchtrennen, sagte Veith.

180 Prozent Sehschärfe sind zuviel

Nicht operiert werden darf bei entzündlichen Augenerkrankungen, bei pathologischen Veränderungen der Hornhaut wie einer streng umrissenen Vorwölbung (Keratotonus) und bei Patienten unter 25 Jahren, weil der Wachstumsprozess des Auges bis dahin noch nicht abgeschlossen ist. Zurzeit dient die gute Diagnostik des Zyoptix-Systems der Sicherheit der Behandlung, sagte Veith. Künftig könnten damit vielleicht auch pathologische Hornhautveränderungen operiert werden.

Weltweit wurden bisher nur wenige Patienten operiert. Langzeitergebnisse liegen nicht vor. Wie viele Jahre der Effekt anhalte, hänge insbesondere von der Ursache der Kurzsichtigkeit ab, sagte Dresp. Tatsache ist, dass Patienten nach einer gelungenen Operation schärfer sehen können als Menschen ohne Fehlsichtigkeit. Bis zu 180 Prozent lässt sich die Sehschärfe verbessern. Schärfer als scharf zu sehen, sollte sich jedoch keiner wünschen. Viele Patienten seien mit ihren Adleraugen hinterher nicht glücklich, sagte Dresp. Wer will schon jedes Staubkorn im Winkel oder alle Mitesser auf der Nase seines Gegenübers erkennen können? Auch Fernsehen wird anstrengend, denn bei einer derartig scharfen Auflösung werden statt des bewegten Bildes die einzelnen Bildpunkte wie ein Rauschen gesehen.  Top

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