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Zweiter AOK-Gesundheitstag INVADE

29.09.2003
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Zweiter AOK-Gesundheitstag INVADE

von Ursula Kindl, Ebersberg

Seit fast zwei Jahren gibt es das Modellprojekt INVADE (INterventionsprojekt zerebroVAskuläre Erkrankungen und Demenz im Landkreis Ebersberg). Es soll klären, ob präventive Maßnahmen und umfassende ärztliche Versorgung die Inzidenz von Schlaganfällen und Demenz reduzieren kann.

Fast 3500 Patienten nehmen mittlerweile an dem von der AOK Bayern und zwei Pharmafirmen unterstützten Projekt teil, in das auch die Apotheken des Landkreises Ebersberg eingebunden sind. Teilnehmen können alle hier versicherten AOK-Patienten über 55 Jahre. Das Projekt soll zeigen, ob verschiedene Präventivmaßnahmen die Zahl der Schlaganfälle und das vorzeitige Auftreten von Demenzerkrankungen reduzieren. Die Teilnehmer werden zu einer gesunden Lebensweise und Ernährung angehalten, ihre Risikofaktoren werden frühzeitig erfasst und behandelt und verschiedene Parameter wie Blutdruck, Blutzucker und Lipidwerte regelmäßig kontrolliert. Dies soll nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen verbessern, sondern auch den Krankenkassen langfristig erhebliche Summen an Behandlungskosten ersparen.

Bereits jetzt lässt sich eine erste Zwischenbilanz des Projekts erstellen. 55 Prozent der teilnehmenden Patienten litten an Bluthochdruck, 26 Prozent an Diabetes mellitus und 69 Prozent an einer Fettstoffwechselstörung. Insgesamt 72 Prozent der Teilnehmer waren übergewichtig, 33 Prozent Raucher. Bei 18 Prozent der Untersuchten wurde eine Arteriosklerose in den Becken- und Beinarterien diagnostiziert, eine verdickte Intima media konnte bei 17 Prozent festgestellt werden. Einem großen Teil der Betroffenen waren ihre Risikofaktoren nicht bekannt oder sie wurden nur unzureichend behandelt. Diese Ergebnisse zeigen, dass ein erheblicher Handlungsbedarf besteht.

Nicht durch „Reparaturmedizin“, sondern vornehmlich durch vorbeugende Maßnahmen können Erkrankungen und Pflegebedürftigkeit vermieden werden, betonte der Vorstandsvorsitzende der AOK Bayern, Dr. Helmut Platzer, auf der Informationsveranstaltung zum zweiten Gesundheitstag INVADE. Die direkten Kosten zerebrovaskulärer Erkrankungen betrugen in den vergangenen Jahren rund 6,1 Milliarden Euro. Davon entfielen 4,45 Milliarden Euro auf die stationäre Versorgung. Die direkten und indirekten Kosten für die Versorgung von Demenzkranken werden auf über 25 Milliarden Euro geschätzt, erklärte Platzer vor über 300 Zuhörern. Diese Zahlen seien für die AOK Bayern Grund genug, sich für das Modellvorhaben zu engagieren.

Zu wenig Prävention

Auch Staatsminister Eberhard Sinner sprach sich für die Prävention aus. Bisher würden nur 4,5 Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für vorbeugende Maßnahmen eingesetzt. Es sei an der Zeit, die Prävention auch gesetzlich zu verankern. Grundsätzlich sei aber mehr Eigenverantwortung und private Vorsorge des Einzelnen gefordert. “Vieles muss künftig selbst bezahlt werden“, so der Minister. Die AOK begrüße das Präventionsgesetz, wünsche sich aber eine größere Beteiligung von Bund, Ländern und Kommunen, bemerkte Fritz Schösser, alternierender Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Bayern. Ein entsprechendes Rahmengesetz auf Bundesebene solle hierfür die Voraussetzungen schaffen

Schlechte Noten im Bezug auf die Hypertoniebehandlung in Deutschland gab Professor Dr. Martin Middeke, Vorstand der Deutschen Hochdruckliga. Hier zu Lande erleiden fast doppelt so viele Patienten einen tödlichen Schlaganfall wie in den USA. Ursache hierfür sei der schlechte Bekanntheits- und Behandlungsgrad der Hypertonie. Bereits bei systolischen Werten über 115 mmHg entstünden Schäden, die später zu Schlaganfällen oder ischämischen Herzerkrankungen führen können.

Dr. Jeremy Lauer von der WHO Genf ging sogar noch einen Schritt weiter: In der westlichen Gesellschaft bestünde durch die Ernährungsweise und den bewegungsarmen Lebensstil ein hohes Potenzial für Risikofaktoren. Es sei an der Zeit zu erkennen, dass kardiovaskuläre Risikofaktoren nicht erst dann einer Behandlung bedürften, wenn sie „außerhalb der Norm“ lägen. Die “globale Epidemie nicht ansteckender Krankheiten“ müsse in erster Linie durch eine weit reichende Änderung in der Ernährung und dem Lebensstil bekämpft werden.

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