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Laser bekommt Konkurrenz

27.08.2001
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THERMOTHERAPIE

Laser bekommt Konkurrenz

von Wolfgang Kappler, Homburg/Saar

Berliner Medizintechniker wollen mit der so genannten bipolaren Hochfrequenz-Thermotherapie dem Laser Konkurrenz machen. Erste Erfahrungen zeigen, dass sich Erkrankungen von Gaumen, Nase und Prostata bisweilen besser, einfacher und kostengünstiger behandeln lassen. Selbst an soliden Tumoren wird die Hitzebehandlung derzeit erprobt.

Bei dem Verfahren fließt ein Wechselstrom von 500 Kilohertz durch Gewebe, das sich auf Grund seines Widerstandes auf bis zu 60 Grad erhitzt. "Das reicht aus, um das Eiweiß der Gewebezellen zu zerstören. Die Zellen verkleben und verbacken derart, dass sie sich nicht mehr regenerieren können", erklärt Dr. Kai Desinger von der Berliner Celon AG den als Koagulation bezeichneten Prozess. Innerhalb weniger Wochen baue der Körper das vernarbte Gewebe ab.

Unter örtlicher Betäubung wird eine Sonde an den Krankheitsherd geführt. Die stromzuführende und die ableitende Elektrode sind in der Spitze des Instrumentes vereint. Damit lässt sich das Hitzezentrum auf wenige Millimeter begrenzen. Gemeinsam mit deutschen Klinikfachärzten haben Desinger und sein Entwicklerteam das ursprünglich für Neurochirurgen konzipierte Verfahren so abgewandelt, dass es sich für unterschiedliche Anwendungen eignet.

Hitze gegen Schnarchen

Ein Einsatzgebiet ist zum Beispiel die Behandlung des Schnarchens. Häufige Ursache ist ein zu lockeres Gaumensegel. Um dieses zu straffen, schneiden Ärzte üblicherweise mit dem Skalpell oder dem Laser ein Stück Gewebe heraus. Im Gegensatz dazu kann der Eingriff per bipolarer Hochfrequenz-Thermotherapie ambulant, vor allem aber unblutig und damit schonend erfolgen. Hat der Körper die durch Hitze zerstörten Zellen abgebaut, strafft sich das Gaumensegel automatisch, das Schnarchen verschwindet.

Am Universitätsklinikum Mannheim behandelt Professor Dr. Karl Hörmann mit dem neuen Verfahren ansonsten inoperable Halstumoren, wofür er normalerweise einen YAG-Laser verwendet. "Der Tumor schrumpft deutlich", berichtet er. "Die Technik scheint also effektiv, sie ist vielseitig und preiswert", so seine erste Erfahrung. Wie lange der Effekt anhält, müsse jedoch noch untersucht werden. Von "interessanten Ergebnissen" berichtet auch Professor Dr. Thomas J. Vogl vom Universitätsklinikum Frankfurt. Er behandelt in Folge streuender Darmtumoren auftretende Lebermetastasen. "Der direkte Vergleich zum Laser fehlt aber noch", sagt er.

Statt Elektroschlinge

Begeistert zeigt sich dagegen bereits jetzt schon der Oberarzt Privatdozent Dr. Markus Müller von der urologischen Universitätsklinik Benjamin Franklin in Berlin. Er setzt die neue Technik bei der Behandlung von Patienten mit gutartiger Prostatavergrößerung ein, für die die übliche Gewebeabtragung mittels einer Elektroschlinge ein unkalkulierbares Risiko bedeuten würde.

Zwar käme für sie auch die Laserbehandlung in Frage, doch "Laser sind kein Allheilmittel. Vor allem die Dosisfindung ist schwierig und setzt viel Fingerspitzengefühl voraus", weiß der Berliner. In dieser Hinsicht sei die Hochfrequenz-Thermotherapie sicherer. Müller: "Strom fließt nur, solange ihm das Gewebe Widerstand bietet. Ist die Koagulation erreicht, schaltet das Gerät ab. Damit ist die Technik exakt, sicher, effektiv und einfach anzuwenden."

Inzwischen gibt es auch Anwender, die erfolgreich erweiterte Nasenmuscheln und Polypen mit den bipolaren Sonden behandeln, die Desinger für den Einsatz "von Kopf bis Fuß" gestalten will. Die Kosten für das neue Gerät entsprechen einem Fünftel bis einem Drittel des Anschaffungspreises für einen Laser. Top

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