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Jugendliche brauchen Ansprechpartner

05.07.2004  00:00 Uhr

Jugendliche brauchen Ansprechpartner

von Marion Hofmann-Aßmus, Erlangen

Kinder gehen zum Kinderarzt, Erwachsene zum Hausarzt oder zu Fachärzten. Wohin aber wenden sich Jugendliche bei Problemen? Kommen Jugendmediziner als Anlaufstelle in Frage? Diese Themen diskutierten Experten verschiedener Fachrichtungen auf einem interdisziplinären Symposium, veranstaltet vom Forum für Jugendmedizin e. V. Ende Juni in Erlangen.

Die Betreuung von Jugendlichen bezeichnete Privatdozent Dr. Edgar Friedrichs mangels Angebot und Zuständigkeit als "medizinisches Niemandsland". Zwar gilt die Jugend als Phase der besten Gesundheit, jedoch sind die Praxen der Kinder- und Jugendpsychiater übervoll, stellte Friedrichs fest.

Daraus könnte man schließen, dass die Probleme der jungen Generation hauptsächlich psychischer Natur seien. Dagegen sprechen aber folgende Zahlen: 7 bis 10 Prozent der deutschen Teenager leiden unter chronischen Krankheiten wie Rheuma, Diabetes oder Asthma. 15 Prozent der 13-jährigen und 46 Prozent der 15-jährigen deutschen Jugendlichen geben wöchentlichen Alkoholkonsum an. Jeder vierte Junge raucht und noch mehr Mädchen greifen täglich zur Zigarette. Zum Vergleich: In Frankreich sowie den Niederlanden rauchen 19 Prozent der Jugendlichen, in Dänemark nur 15 Prozent. Und schließlich sind 15 bis 20 Prozent der deutschen Kinder und Jugendlichen adipös.

Um den daraus resultierenden Gesundheitsschäden vorzubeugen, sollten Gesundheitserziehung, Gesundheitserhaltung und prophylaktische Beratung im Vordergrund stehen. Diese Aufgabe kann allerdings nur von allen gesellschaftlichen Kräften gemeinsam angegangen werden. Denn, so betonte Professor Dr. Mathias Albert von der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld: "Ansprechpartner der Jugendlichen sind die, von denen sie sich ernst genommen fühlen." Damit sind neben den Ärzten auch die Eltern, Lehrer oder Apotheker angesprochen.

Lieber Hausarzt als Jugendarzt

Im ersten Quartal 2004 führte das Forum für Jugendmedizin eine Befragung durch. Anhand eines Fragebogens wurden die Bedürfnisse, Probleme und Zukunftsperspektiven von etwa 1500 bayerischen Schülern der siebten bis neunten Jahrgangsstufe ermittelt. Die Rücklaufquote war erstaunlich hoch: Von 1200 Fragebögen kamen 1150 zurück.

Auf die Frage "Sind Probleme vorhanden?" antworteten 10 Prozent der Jungen mit "ja", 59 Prozent mit "selten" und 28 Prozent mit "nein". Unter den Mädchen entschieden sich 24 Prozent für "ja", 62 Prozent für "selten" und knapp 13 Prozent für "nein". Als häufigste Ursache für Probleme wurde die Schule angeführt, gefolgt von Eltern und Freunden. Als Ansprechpartner kommen in erster Linie Freunde in Frage (68 Prozent), dann die Mutter (52 Prozent), der Vater (29 Prozent) und nur selten ein Arzt (2,2 Prozent).

Bei Krankheiten wenden sich 66 Prozent der Befragten an ihren Hausarzt und nur 19 Prozent an den Jugendarzt. Ein Grund dafür könnte sein, dass nur knapp die Hälfte überhaupt schon einmal von einem Jugendarzt gehört hatte. Allerdings würden mehr als 50 Prozent der jungen Leute einen Jugendarzt aufsuchen, wenn es einen in der Nähe gäbe.

Den obersten Platz unter den Erwartungen an einen Ansprechpartner nimmt "ernst genommen werden" ein, gefolgt von "zuhören können" und dem Anspruch, dass die Gesundheit wieder hergestellt wird. Diese Anforderungen erfüllte der Hausarzt nach Ansicht der Jugendlichen am ehesten: 67 Prozent der Befragten vertrauten ihm. Auf die Frage, ob der Jugendarzt ein Ansprechpartner werden könne, antworten denn auch 54 Prozent mit "nein". Den Hausarzt als Anlaufstelle können sich dagegen 65 Prozent vorstellen.

 

Forum für Jugendmedizin Das Forum für Jugendmedizin e. V. versteht sich als großer "Treffpunkt" von Experten verschiedener Fachrichtungen. Neben dem Austausch fachlicher Kenntnisse aus Medizin, Psychologie und Pädagogik sollen auch Anregungen für die praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gegeben werden. Nähere Informationen unter www.forum-jugendmedizin.de oder unter der Telefonnummer (0 91 98) 99 84 72.

 

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