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Sonnenstundenkonto nicht überziehen

13.06.2005
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Aktinische Keratose

Sonnenstundenkonto nicht überziehen

von Karen Aust, Berlin

Fast jeder Zehnte der schätzungsweise acht Millionen Menschen, die in Deutschland von Aktinischer Keratose betroffen sind, entwickelt ein invasives Plattenepithelkarzinom. Wichtiger denn je ist daher nicht nur eine konsequente Therapie, sondern bereits der richtige Umgang mit der Sonne.

Der Rückgang des Höhenozons hat zur Folge, dass Sonnenlicht weniger stark gefiltert auf die Erdoberfläche trifft. Durch häufige ungeschützte Aufenthalte im Freien setzen sich viele Menschen diesen zunehmend intensiveren Strahlen aus. Vor allem die UV-B-Strahlung (Wellenlängen zwischen 290 bis 315 nm), die in die obersten Hautschichten eindringt, kann in der epidermalen Erbsubstanz zu Mutationen im Tumorsupressorgen p53 und im Telomerasegen führen. Es kommt zur ungehemmten Teilung der Keratinozyten, womit sich die Aktinische Keratose manifestiert. Als Vorstufe des invasiven Plattenepithelkarzinoms, einer Form des hellen Hautkrebses, ist sie auch unter der Bezeichnung helle Lichtschwiele bekannt. Die Veränderungen können sich zunächst in Form kleiner unauffällig schuppender Hauterscheinungen zeigen, die sich sandpapierartig anfühlen und nach dem Entfernen wieder auftreten. Aber auch starke Verkrustungen auf der Hautoberfläche können auf eine Aktinische Keratose hinweisen.

Lange Zeit wurden solche Anzeichen wenig ernst genommen. Jedoch geht bei etwa 10 Prozent der Patienten die Aktinische Keratose in ein invasives Plattenepithelkarzinom über. Immunsupprimierte Patienten mit heller Lichtschwiele haben sogar ein um das Dreifache erhöhtes Krebsrisiko. »Dabei kann die helle Lichtschwiele zu 100 Prozent geheilt werden«, sagte Professor Dr. Eggert Stockfleth, Leiter des Hauttumorzentrums der Charité Berlin während einer Gesprächsrunde im Rahmen des »Tages der Hautvisite« in Berlin. Eine Weiterentwicklung zum Krebs wird somit verhindert.

Neben konventionellen Therapieoptionen wie der Kryotherapie (Vereisung der atypischen Epithelzellen), der Kürettage (Abtragen der Hautveränderungen mit einem scharfen Löffel), Lasertherapie und 5-Fluorouracil stehen zur Behandlung auch Diclofenac-Hyaluronsäure-Gel (Solaraze® 3-prozentig) und Imiquimod (Aldara®) zur Verfügung, das hierfür allerdings noch nicht zugelassen ist und vom Patienten selbst bezahlt werden muss (laut Charité-Angaben circa 200 bis 300 Euro).

Prävention an erster Stelle

Die Sonne solle Stockfleth zufolge jedoch »nicht verteufelt« werden. Viel wichtiger sei der richtige Umgang mit ihr. Neben Menschen mit rötlich-heller (Hauttyp I) oder heller Haut (Hauttyp II) tragen diejenigen mit häufigen Sonnenbränden in der Kindheit ein besonders hohes Risiko, an hellem Hautkrebs zu erkranken. Aber auch wer sich im Laufe seines Lebens häufig ungeschützt in der Sonne aufgehalten hat, sollte UV-bedingte Hautveränderungen ernst nehmen.

Nicht nur Sonnencreme sollte die Strahlen abhalten. Der Dermatologe wies darauf hin, dass luftige, die »Sonnenterassen« Kopf, Arme und Beine bedeckende Kleidung beziehungsweise eine Kopfbedeckung vor allem in den Monaten Mai bis August in Mitteleuropa oberste Priorität beim Sonnenschutz haben müssten. Denn mittlerweile wird jedem zweiten Europäer, der älter als 70 Jahre ist, die Diagnose Hautkrebs gestellt. In Australien, wo die dünnere Ozonschicht sehr viel weniger UVB-Strahlung vor dem Eintritt in die Atmosphäre abhält, ist sogar jeder zweite Über-40-Jährige betroffen. Auf Grund dieser Zahlen plädierte Stockfleth dafür, die Aktinische Keratose nicht mehr nur als Präkanzerose, sondern als Krebs zu betrachten, um ihre Bedeutung stärker in das Bewusstsein sowohl der Ärzte als auch der Patienten zu rücken.

Pigmentmale unter der Lupe

Beim Plattenepithelkarzinom, auch Stachelzellkrebs oder Spinaliom genannt, handelt es sich um den zweithäufigsten Hautkrebs, an dem jährlich etwa 22.000 Deutsche erkranken. Häufig der Sonne ausgesetzte Körperstellen wie Nase, Stirn, Unterlippe oder Handrücken sind besonders betroffen. Dies gilt auch für den häufigsten bösartigen Hauttumor, das Basaliom oder Basalzellkrebs, der ebenfalls zum hellen Hautkrebs zählt. Laut Angaben der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) erkranken an ihm etwa 80.000 Menschen jährlich in Deutschland, wobei sich die Inzidenz alle 10 bis 15 Jahre verdoppelt. Auch für diesen zunächst knotenartigen Tumor ist die Operation die sicherste Therapieoption, alternativ können eine photodynamische Therapie oder eine Behandlung mit dem hierfür zugelassenen Imiquimod eingesetzt werden.

Das maligne Melanom, der schwarze Hautkrebs, bildet Metastasen und ist der bösartigste Tumor der Haut, an dem jährlich rund 20.000 Deutsche erkranken und mehr als 2000 Menschen sterben. Auch hier verdoppelt sich die Inzidenz etwa alle zehn Jahre. Die Entstehung dieses Tumors ist allerdings nicht von der UV-Gesamtdosis, sondern von kurzen, intensiven Belastungen abhängig, so die ADP. Den wichtigsten Risikofaktor stelle die Gesamtzahl von Pigmentmalen dar, die sich besonders bei hoher Sonnenexposition in der Kindheit innerhalb weniger Jahre verdoppeln kann. Menschen mit atypischen oder mehr als 40 Pigmentmalen haben demnach ein 7- bis 15fach höheres Risiko, ein malignes Melanom zu entwickeln. Verdächtige Pigmentmale, die vom Arzt überprüft werden sollten, erkennt man an der Asymmetrie, der rauen, zackigen, unebenen oder kaum wahrzunehmenden Begrenzung, einer uneinheitlichen Färbung sowie einem Durchmesser von mehr als 2 mm.

Um Interessierten den richtigen Umgang mit der Sonne zu vermitteln, findet vom 13. bis 17. Juni die erste bundesweite Hautkrebs-Informationswoche statt, bei der sich viele dermatologische Kliniken und Praxen beteiligen. Zudem sollen Dermatologen im Rahmen der Kampagne »Fit for Sun« an Schulen informieren, sodass schon Heranwachsende lernen, worauf sie achten müssen.

 

 

Ozonverlust trotz FCKW-Stopps Die intakte Ozonschicht hält 95 Prozent der UV-B-Strahlung der Sonne zurück. Über der Nordhalbkugel ging sie in den letzten 30 Jahren um 10 Prozent zurück. Von einem Ozon-Loch ist bei Werten unter 100 dobson units (du) die Rede. Werte ab 300 du gelten als normal.

Mit dem „Montrealer Abkommen“ wurde 1987 der Verzicht auf Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs) als Treib- und Kühlmittel vereinbart. Über Kettenreaktionen spalten FCKWs und ihre Radikale Ozonmoleküle. Ein FCKW-Molekül benötigt etwa zehn Jahre bis es zur Ozonschicht in die Stratosphäre vorgedrungen ist und kann dort bis zu 110 Jahre aktiv bleiben.

 

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