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FSME-Risikogebiet erneut ausgeweitet

09.05.2005  00:00 Uhr

FSME-Risikogebiet erneut ausgeweitet

PZ/dpa  Ob beim Kräutersammeln, Spazierengehen oder beim Sport: Wer sich in die Natur begibt, muss mit einem Zeckenbiss rechnen und sollte seinen Körper zu Hause daraufhin untersuchen. Denn nicht jeder Stich ist harmlos, die FSME-Gefahr ist laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) gestiegen.

Das Risikogebiet für die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist in Deutschland erneut gewachsen. Das RKI erhöhte die Zahl der als Risikoregionen eingestuften Städte und Landkreise um sieben auf 90. Das geht aus dem aktuellen »Epidemiologischen Bulletin« des RKI hervor. Gleichzeitig sank die Zahl der gemeldeten FSME-Infektionen 2004 auf 274 Fälle. Im Vorjahr war ein Rekordstand von 276 erreicht worden. Fast 90 Prozent der Fälle im Jahr 2004 traten in Baden-Württemberg und Bayern auf, wo auch 81 der FSME-Risikokreise liegen. 9 Prozent entfielen auf Hessen. Erstmals hatte sich in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt jeweils ein Mensch angesteckt.

Neu auf der Liste der FSME-Risikokreise sind in Bayern Neu-Ulm, Schweinfurt, Wunsiedel im Fichtelgebirge, Amberg, Schwabach und Würzburg. Gestrichen wurde der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, wo sich seit 1995 niemand mehr angesteckt hat. In Baden-Württemberg ist Heidelberg und in Hessen der Landkreis Offenbach hinzugekommen. Die neu ausgewiesenen Kreise grenzten fast alle an bekannte Risikogebiete, heißt es im RKI-Bericht. Die Daten bestätigten erneut, dass es im Süden Deutschlands größere, weitgehend zusammenhängende FSME-Naturherde gebe. Die übrigen Kreise mit FSME-Risiko liegen in Thüringen und Rheinland-Pfalz.

Das Risiko, in Europa an der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung FSME zu erkranken, ist nach Experteneinschätzung im Baltikum am höchsten. In Litauen seien von 2000 bis 2004 durchschnittlich 434 und in Lettland 323 Erkrankungsfälle pro Jahr verzeichnet worden, sagte der Direktor des Jenaer Friedrich-Loeffler-Institutes, Jochen Süss, vergangene Woche in Erfurt. Bei hoher Dunkelziffer würden in Europa jährlich etwa 10.000 bis 12.000 klinische Fälle registriert, obwohl es eine Impfung gibt. Das FSME-Risiko in Litauen und Lettland ist damit höher als in den besonders betroffenen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg.

Gründe für die zunehmende Zecken-Gefahr seien unter anderem der Klimawandel, die globale Erwärmung und der Tourismus. Aber auch eine verbesserte Diagnostik und eine höhere Aufmerksamkeit spielten eine Rolle.

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