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Europaweit gegen Depression

03.05.2004
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Europaweit gegen Depression

von Brigitte M. Gensthaler, München

In der Europäischen Union nehmen sich jedes Jahr mehr als 45.000 Menschen das Leben. Eine häufige Ursache der Verzweiflungstat ist eine nicht erkannte oder eine unzureichend behandelte Depression.

Um die Versorgung depressiv kranker Menschen zu verbessern, startet die European Alliance against Depression (EAAD) jetzt in 15 Ländern Aktionsprogramme. Dabei werden die Erfahrungen und Materialien des Nürnberger Bündnisses gegen Depression umgesetzt. Mit dem in Nürnberg erprobten Programm, das Professor Dr. Ulrich Hegerl von der Münchner Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie leitet, konnte die Rate der Selbstmordversuche um 20 Prozent reduziert werden. Zugleich stiegen die Verordnungen von Antidepressiva um 17 Prozent, berichtete Reinhard Junker, Leiter der Abteilung Gesundheit im Bundesforschungsministerium, in München.

Auf Grund der Erfolge wird das regional begrenzte Programm, das sich an Hausärzte, Multiplikatoren, Betroffene und die Öffentlichkeit wendet, seit letztem Jahr im Bundesgebiet umgesetzt (siehe PZ 7/04 und www.kompetenznetz-depression.de). Auch das europaweite Projekt, das im Rahmen des Public Health Programs der EU in den ersten Phasen über 18 Monate mit 660.000 Euro gefördert wird, steht unter Hegerls Leitung.

Wie wichtig Aufklärung und Information sind, machte Professor Dr. Hans-Jürgen Möller, ärztlicher Direktor der Münchner Psychiatrieklinik, deutlich. Von etwa vier Millionen depressiv kranken Menschen in Deutschland sind 2,4 bis 2,8 Millionen beim Hausarzt in Behandlung. Bei etwa der Hälfte wird die Diagnose richtig gestellt, doch nur 240.000 bis 360.000 werden ausreichend behandelt. Nach dreimonatiger Therapie zeigen nur noch 100.000 bis 160.000 Patienten eine gute Compliance. „Patienten haben eine große Scheu vor einer psychiatrischen Behandlung“, sagte Möller.

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