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Parkinson stört den Schlaf

23.04.2001  00:00 Uhr
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Parkinson stört den Schlaf

von Elke Wolf, Rödermark

Je nach Studie schlafen zwischen 73 bis 96 Prozent der Patienten mit Morbus Parkinson extrem schlecht. Die Folge sind Tagesmüdigkeit und Einbußen bei kognitiven Fähigkeiten. Die Schlafprobleme können einerseits durch die Krankheit selbst ausgelöst werden. Andererseits geht die Schläfrigkeit zum Teil auch auf das Nebenwirkungskonto von dopaminergen Substanzen, die zur Therapie eingesetzt werden.

Die Schlafstörungen von Parkinson-Patienten umfassen nahezu das gesamte Spektrum. Typische Befunde sind mehrere Schlafunterbrechungen, Wach-, verminderte Tiefschlaf- und verkürzte REM-Phasen, ist Presseinformationen von Boehringer Ingelheim zu entnehmen. Als Urheber kommen etwa Dystonien, Akinese, die Unfähigkeit, sich im Bett zu wenden, Nykturie oder Depressionen in Frage. Klagen Betroffene über Müdigkeit während des Tages, sollte der Arzt zunächst die medikamentöse Therapie umstellen, um die möglichen Ursachen der Schlafstörungen in den Griff zu bekommen. Dabei müssen auch Dosis und Zeitpunkt der Arzneistoffapplikation hinterfragt werden.

Problematisch ist, dass man sich mit dopaminergen therapeutischen Substanzen unter Umständen die Schlafstörungen erst erkauft. Diese Arzneistoffe können die Schlaf-Wach-Regulation negativ beeinflussen und eine verstärkte Tagesmüdigkeit hervorrufen. Zwar wurde diese Nebenwirkung besonders von den Dopamin-Agonisten Pramipexol und Ropinirol bekannt, weil man mit ihrer Anwendung Einzelfälle von Schlafattacken am Steuer assoziiert hat. Aber auch andere Dopamin-Agonisten wie Pergolid und Cabergolin oder L-Dopa ziehen in vielen Fällen Somnolenz nach sich. Zu Bromocriptin und Lisurid lägen nur Einzelfallberichte vor, informiert Boehringer Ingelheim.

Insgesamt ist die Datenlage ziemlich unübersichtlich. So ist es zum Beispiel kaum möglich, das Schläfrigkeits-Potenzial einzelner Substanzen miteinander zu vergleichen, da die Studien, in denen Daten erhoben wurden, ein unterschiedliches Design aufwiesen. Auch die Art und Weise, die Somnolenz zu erfassen, ist nicht einheitlich. Um wenigstens Licht ins Dunkel bezüglich der Schlafattacken am Steuer zu bringen, läuft derzeit eine Fragebogen-Aktion der deutschen Parkinson-Vereinigung und dem Institut für Verkehrsmedizin in Würzburg. Man erhofft sich konkrete Zahlen zur verkehrsmedizinischen Relevanz.

 

Aktigraph zur Bestimmung der optimalen Dosis

Ein so genannter Aktigraph könnte dazu beitragen, die Arzneimitteltherapie des Morbus Parkinson zu optimieren. Dieses neue Messinstrument erfasst die Aktivität der Gliedmaßen und deren tagesrhythmische Schwankungen. Mit Hilfe der Aktigraphie können Mediziner nun die kleinste wirksame Dosis beispielsweise eines Dopamin-Agonisten ermitteln, die für eine optimale Verbesserung akinetischer Störungen erforderlich ist, heißt es in einer Presseinformation von Pharmacia. Die genaue Bestimmung dieser Dosis war bislang schwierig.

 

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