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FSME-Risikogebiete dehnen sich weiter aus

17.03.2003
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FSME-Risikogebiete dehnen sich weiter aus

von Yvette Meißner, Berlin

Vor einigen Jahren erkrankten vor allem Waldarbeiter und Förster an der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Heute sind etwa 90 Prozent der Infizierten Spaziergänger, Jogger und andere, die ihre Freizeit im Wald verbringen. Am Rande des 7. Zeckenkongresses in Berlin präsentierten Experten neue Zahlen.

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 250 Menschen an der von Zecken übertragenen Virusinfektion. „Man sollte FSME unter dem reisemedizinischen Aspekt betrachten“, meint Dr. Jochen Süss vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Da es keine kausale Therapie gebe, sei eine vorbeugende Impfung nicht nur für Menschen empfohlen, die in Risikogebieten wohnen. Auch diejenigen, die in diese Gebiete reisen und sich dort aufhalten, sollten sich impfen lassen.

Ein Vergleich der Situation in Österreich und in Tschechien zeigt, dass durch einen konsequenten Impfschutz die Zahl der Erkrankungen zurückgeht. Erkrankten in Österreich vor 20 Jahren noch 700 Menschen jährlich an FSME, sind es heute nur noch 50. Der Grund: 85 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind geimpft. In Tschechien hingegen, wo das FSME-Risiko ähnlich hoch eingeschätzt wird, erkrankten im Jahr 2000 noch 700 Menschen.

Die Viren breiten sich wahrscheinlich auf Grund der Erderwärmung nach Norden aus, vermutete Süss. Auch in Deutschland zeichnet sich diese Tendenz ab. Zu den bisher bekannten Risikogebieten, die sich in Bayern und Baden-Württemberg konzentrieren (siehe auch PZ 28/02), kommen nun auch der Landkreis Weimarer Land und der Saale-Orla-Kreis in Thüringen hinzu.

Wie FSME wird auch die Lyme-Borreliose durch Zecken übertragen. In Deutschland erkranken pro Jahr rund 100.000 Menschen an der bakteriellen Infektion. Als typisches Symptom tritt bei 80 bis 90 Prozent der Betroffenen die Wanderröte (Erythema migrans) auf. „Die Krankheit sollte Klinikern in ihrer tatsächlichen Tragweite näher gebracht werden“, meinte Dr. Bettina Wilske vom Max-von-Pettenkofer-Institut der Universität München. Eine Standardisierung des direkten Erreger-Nachweises sowie des serologischen Nachweises würde auch die Diagnostik erleichtern.

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