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Jugendliche spielerisch aufklären

21.02.2005  00:00 Uhr
Alkohol- und Tabakprävention

Jugendliche spielerisch aufklären

von Conny Becker, Berlin

Das interaktive Projekt „KlarSicht“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) soll Jugendliche über die Gefahren von Alkohol- und Tabakkonsum aufklären. Es handelt sich dabei um einen Parcours, dessen Stationen künftig Schüler an deutschen Schulen ablaufen können.

Wie stark ein Alkoholrausch die Koordination beeinträchtigt, wie viel Gramm Alkohol eine Flasche Alkopop enthält, welche Gesundheitsrisiken das Rauchen birgt und wie diese beim Rauchstopp wieder abnehmen – dies konnten Berliner Schüler vergangenen Mittwoch im Bundesgesundheitsministerium (BMGS) erfahren. Hier gaben die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, und BZgA-Direktorin Dr. Elisabeth Pott den Startschuss für ein neues Präventionsprojekt.

„Über persönliche Gespräche soll die Auseinandersetzung mit den beiden legalen Drogen gefördert werden“, erklärte Pott. Das Wissen um deren Gesundheitsrisiken sei da, müsse aber vertieft und von den Jugendlichen reflektiert werden, damit es in ihr Verhalten übergehe. Dazu hat sich die BZgA für einen spielerischen Umgang mit dem Problem entschieden, der aber dennoch dessen Ernsthaftigkeit klarmacht. Der „Mitmachparcours“ setzt sich aus sieben Stationen zusammen, an denen, von geschulten Moderatoren begleitet, kleine Events stattfinden. Schüler im Alter von 12 bis 18 Jahren werden etwa in einer Talkshow dazu aufgefordert, Argumente gegen den Genuss von Alkohol und Tabak zu finden. Auch Werbung sollen sie kritisch analysieren und dabei erfahren, dass hier mehr ein Image als ein Produkt vermittelt wird.

Auch wenn Anti-Rauch-Kampagnen erste Erfolge zeigen und der Zigarettenkonsum rückläufig ist, bleibt die Situation laut Caspers-Merk weiterhin bedenklich. So steige im Osten die Zahl der Raucher weiter an und der Trend zum so genannten Rauschtrinken nehme zu. Daher seien weitere Aktionen gefragt, die um so nachhaltiger wirken, je mehr der Aufzuklärende miteinbezogen wird. Neben diesem aktiven Erleben von Präventionsmöglichkeiten seien auch gesetzliche Regelungen oder steuerliche Anreize erfolgreiche Strategien, den Konsum legaler Drogen einzudämmen. So habe man per Jugendschutzgesetz die Zigarettenabgabe an Jugendliche unter 16 Jahren ebenso verboten wie die kostenlosen Proben zu Werbezwecken. Die Steuern auf Alkopops sollen im nächsten Sommer deren Beliebtheit senken.

Überdies hofft Caspers-Merk, dass sich bald alle Bundesländer der Entscheidung von Berlin und Hessen anschließen, ihre Schulen rauchfrei zu halten. Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Brandenburg hätten bereits angekündigt, das Rauchverbot umzusetzen. Dabei könnte auch der Parcours helfen. Dieser erzielte in vier Testläufen bereits ein gute Ergebnis: Nichtraucher fühlten sich in ihrer Entscheidung gegen die Zigarette bestätigt und 80 Prozent waren sich sicher, die Folgen des Tabak- und Alkoholkonsums besser einschätzen zu können.

Wer weitere Fragen zur Tabakentwöhnung hat, kann sich darüber hinaus auch an das Deutsche Krebsforschungszentrum wenden, das werktags zwischen 14 und 18 Uhr unter (06 221) 42 42 00 eine Telefonberatung anbietet. Die spezielle Raucher-Hotline für Krebspatienten ist unter (06 221) 42 42 24 zu erreichen.

 

Alkohol holt Tabak ein Alkohol verursacht weltweit ebenso viele Todesfälle und Gesundheitsschäden wie Tabak oder ein erhöhter Blutdruck. 4 Prozent der globalen Gesundheitsbelastung gehen auf den Alkohol zurück, berichten Mediziner im Fachmagazin The Lancet (365 (2005) 519). 4,1 Prozent entfallen auf Tabak, 4,4 Prozent auf die Hypertonie. Dabei werde Alkohol mit mehr als 60 Krankheiten in Zusammenhang gebracht, einschließlich Brustkrebs und koronarer Herzerkrankung. Laut Studien könnten Preiserhöhungen und eine schlechtere Verfügbarkeit alkoholischer Getränke den Konsum einschränken. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Preiserhöhung um 10 Prozent die Zahl der Todesfälle, die sich sicher auf Alkohol zurückführen lassen, um 18,8 Prozent bei Frauen und um 37,4 Prozent bei Männern vermindern könnte. Sie fordern daher ein internationales Abkommen zur Alkoholkontrolle ähnlich der Anti-Tabakkonvention.

 

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