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Schwermetalle in Ayurvedaprodukten

24.01.2005  00:00 Uhr

Schwermetalle in Ayurvedaprodukten

von Dagmar Knopf, Limburg

Jedes fünfte pflanzliche Ayurvedaprodukt enthält nach einer neuen Veröffentlichung hohe Mengen an Schwermetallen wie Blei, Arsen und Quecksilber. Werden die Produkte wie angegeben eingenommen, können sie toxisch wirken.

Ayurveda – eine ursprünglich aus Indien stammende Alternativmedizin – gewinnt auch in westlichen Ländern zunehmend das Interesse der Bevölkerung. Ayurveda basiert auf der Anwendung pflanzlicher Produkte, Mineralien und Metalle, mit dem Schwerpunkt auf pflanzlichen Medizinprodukten. Diese werden wie Nahrungsergänzungsmittel gehandelt. Klinische Nachweise für ihre Wirksamkeit und Sicherheit werden hier nicht verlangt.

Frühere Hinweise auf ernsthafte Bleivergiftungen nach der Einnahme von ayurvedischen Medizinprodukten veranlassten Mediziner der Harvard Medical School, einige in Südasien produzierte und in Boston verkaufte Mittel gezielt zu untersuchen. Zwischen April und Oktober 2003 kauften Robert Saper und sein Team Ayurvedaprodukte in 70 verschiedenen Geschäften rund um Boston und prüften sie auf enthaltene Schwermetalle. Dabei wurden sie in 14 der 70 untersuchten Proben fündig und detektierten sowohl Blei als auch Arsen und Quecksilber: Blei fand sich in 13 der untersuchten Präparate, Quecksilber und Arsen jeweils in sechs. Die toxischen Proben stammten nicht alle von ein und demselben Hersteller, sondern waren unterschiedlicher Herkunft. Auch die Darreichungsform war nicht einheitlich und reichte von Tabletten über Pulver und Lösungen zu Kapseln. Die gemessenen Metallkonzentrationen selbst schwankten ebenfalls und lagen zwischen 5 bis 37.000 µg/g (Blei), 28 bis 104.000 µg/g (Quecksilber) und 37 bis 8130 µg/g (Arsen).

Ob bereits die verwendeten Pflanzen die Schwermetalle aufwiesen oder ob sie im Herstellungsprozess versehentlich beigesetzt wurden, konnten die Forscher nicht klären. Hielten sich die Konsumenten an die vom Hersteller vorgeschriebene Einnahmemenge, seien ernsthafte gesundheitliche Schäden nicht auszuschließen, warnten Saper und Kollegen (JAMA, Band 292, Seite 2868-2873). Zumindest lägen die Konzentrationen der aufgenommen Schwermetalle oberhalb der zulässigen Grenzwerte. Besonders bedenklich seien die pflanzlichen Medizinprodukte für Kinder – die Hälfte aller Proben mit potenziell toxischen Metallkonzentrationen waren für Kinder empfohlen.

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