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Temoporfin lässt Hirntumoren leuchten

13.01.2003  00:00 Uhr

Temoporfin lässt Hirntumoren leuchten

von Ulrike Wagner, Eschborn

Österreichische Ärzte haben den Photosensitizer Temoporfin (Foscan®) zur Diagnostik von Hirntumoren eingesetzt. In einer Untersuchung an 22 Patienten ließ sich der Tumor mit dem Farbstoff während der Operation besser lokalisieren, meldet die Firma Biolitec AG, deren schottische Tochter das Präparat in Europa vertreibt.

Das Schicksal der Patienten mit Hirntumoren hängt davon ab, wie gut der Chirurg das erkrankte Gewebe entfernt, ob er versehentlich gesundes Gewebe zerstört oder Reste des Tumors im Gehirn verbleiben. Mit der neuen Methode kann der operierende Arzt die Grenzen des Tumors leichter erfassen und präziser schneiden.

Die Wissenschaftler nutzten die Beobachtung, dass sich Temoporfin in Tumoren anreichert. Der Photosensitizer wird in gesundem Gewebe wesentlich schneller abgebaut als im Tumor. Zudem sorgt die stärkere Durchblutung des Tumorgewebes und die höhere Durchlässigkeit der Kapillaren für eine Anreicherung der Substanz. Außerdem weist das Tumorgewebe eine höhere Endozytoserate auf. Auch über diesen Mechanismus gelangt mehr Temoporfin in die Tumorzellen als in gesunde Zellen. Der saure pH im Tumor sorgt zusätzlich für eine Anreicherung, denn die mit den Porphyrin-Molekülen beladenen Transportmoleküle LDL und Albumin sind unter diesen Bedingungen ungeladen und passieren so leichter die Zellmembran.

Für die aktuelle Untersuchung wurde den Patienten mit Hirntumoren vier Tage vor der Operation 0,15 mg Temoporfin pro Kilogramm Körpergewicht injiziert. Danach durften sie sich ausschließlich im Dunkeln aufhalten. Während der Operation wurde das Tumorgewebe mit Hilfe von Laserlicht im Violett-/Blaubereich zur roten Fluoreszenz angeregt und somit für den Chirurgen sichtbar. Der Operateur entfernte das fluoreszierende Gewebe und entnahm Proben in angrenzenden nicht-fluoreszierenden Bereichen, um die Methode zu prüfen.

Die Ergebnisse waren „erfreulich“, heißt es in der Pressemeldung, die sich auf eine Publikation der Universität Innsbruck stützt. Die Sensitivität der Resektion lag bei 88 Prozent, die Spezifität bei 96 Prozent. Bei deutlich mehr Patienten ließ sich im Vergleich zur klassischen Methode nach der Operation im Kernspintomogramm kein Resttumor mehr nachweisen. Damit sei die Temoporfin-gestützte Resektion eine sichere und selektive Methode, um während der Operation infiltrierende Tumorausläufer von malignen Hirntumoren zu erkennen.

Temoporfin ist bislang zur palliativen Behandlung von Patienten mit Plattenepithelkarzinomen in Kopf und Hals in Europa zugelassen. Verteporfin (Visudyne®), ein verwandter Wirkstoff, hat sich bereits bei Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration bewährt. Bei beiden Behandlungsmethoden wird die lichtempfindliche Substanz aus der Stoffklasse der Porphyrine nach Anreicherung im erkrankten Gewebe mit Hilfe von rotem Laserlicht aktiviert. Der hier eingesetzte Laserstrahl zeichnet sich durch eine höhere Eindringtiefe aus als der in der Diagnostik verwendete. Außerdem ist die Lichtdosis, die auf das Gewebe trifft, bei der therapeutischen Anwendung höher. Dadurch entstehen reaktive Sauerstoffmoleküle, die entweder direkt für den Untergang der Tumorzellen sorgen oder – bei der Behandlung der Makuladegeneration – Gefäße verschließen.

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