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Shuttle für Selbstmord-Gene

10.12.2001
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KREBS

Shuttle für Selbstmord-Gene

von Ulrike Wagner, Eschborn

Wissenschaftler der Universität Tübingen haben eine neue Methode entwickelt, um Tumorzellen absterben zu lassen. Dazu verwenden sie Gene, die helfen, nebenwirkungsarme Prodrugs in potente Zellgifte umzuwandeln. Mit Hilfe eines Eiweißmoleküls aus Herpes-simplex-Viren können sie die DNA nun wesentlich effizienter in die Tumorzellen transportieren, heißt es in einer Pressemitteilung des Universitätsklinikums Tübingen.

Die Suizidgen-Therapie könnte in Zukunft Patienten mit soliden Tumoren eine neue Behandlungsoption eröffnen. Die Gene, die in die Tumorzellen eingebracht werden, helfen, nebenwirkungsarme Prodrugs in potente Zellgifte umzuwandeln. Die Tumorzellen sterben nach dieser Behandlung ab, indem sie Selbstmord begehen.

Bisherige Laborversuche haben jedoch gezeigt, dass mittels der derzeit verfügbaren Gen-Transporter nur wenige Tumorzellen die Suizidgene erhalten. Die Methode war somit wenig wirksam. An der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen hat nun eine Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Ulrich Lauer in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Peter O´Hare, England, ein Verfahren entwickelt, das die Aufnahme der Suizid-auslösenden Substanzen durch die Tumorzellen verbessert. Die Arbeit wurde in der Zeitschrift Gene Therapy veröffentlicht (Wybranietz, W. A. et al., Enhanced suicide gene effect by adenoviral transduction of a VP22-Cytosine deaminase (CD) fusion gene. 2001, 8, Seiten 1654 - 1644).

Dabei kommt das Strukturprotein VP22 des Herpes simplex Virus zum Einsatz, ein Eiweißmolekül, das den Transport zwischen Zellen hoch effizient vermittelt. Ausgehend von nur einer Produzentenzelle wird VP22 in die Kerne von mehr als 200 benachbarten Zellen transportiert, wo es an Zellkernmaterial bindet und bei folgenden Zellteilungen an die neuen Tochterzellen weitergegeben wird.

Die Wissenschaftler nutzten das neu entdeckte biologische Phänomen nun für die Verbesserung der Suizidgentherapie. Zu diesem Zweck wurden zunächst Fusionsgene aus dem Virusprotein und verschiedenen Suizidgenen hergestellt. Dabei blieben die Verbreitungseigenschaften des VP22 erhalten. Diese Fusionsgene wurden dann in vitro in Leberkrebszellen hineintransportiert. Von den so behandelten Leberkrebszellen starben wesentlich mehr ab als von den nur mit dem Suizidgen behandelten Tumorzellen. Mit dieser Methode könnten in Zukunft Gentransfersysteme verbessert werden. Bislang waren die meisten Gentherapien am Transfer des Erbmaterials in die Zelle gescheitert.

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