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Fluoreszierende Prionen für frühe Diagnostik

04.12.2000
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Fluoreszierende Prionen für frühe Diagnostik

von Brigitte M. Gensthaler, München

Kann man die Erreger der Creutzfeldt-Jacob-Krankheit (CJK) und von BSE sichtbar machen? Mit einem neuen Fluoreszenz-Verfahren können Prionprotein-Aggregate in Körperflüssigkeiten dargestellt werden; dies könnte eine Frühdiagnose ermöglichen. Professor Dr. Hans A. Kretzschmar erläuterte das "Scanning for intensely fluorescent targets", kurz SIFT, beim 1. Kongress für Viruserkrankungen Mitte November in München.

Das Scrapie-Prionprotein PrpSc neigt stark zur Aggregatbildung, erklärte der Prionen-Experte, der früher in Göttingen und jetzt in München forscht. Diese Aggregate könne man im Liquor cerebrospinalis nachweisen. Sie werden dazu mit fluoreszierenden Antikörpern oder markierten Monomeren gekennzeichnet. Dann wird ein Laserstrahl wie ein Suchscheinwerfer auf die Probe gelenkt, der die markierten Moleküle aufspüren soll. Die Methode, die am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen aus der Fluoreszenz-Korrelationsspektroskopie entwickelt wurde, arbeitet mit Miniprobenvolumina von einem Femtoliter.

Laut Kretzschmar ist SIFT hoch sensitiv und kann zwischen verschiedenen Proteintypen unterscheiden. Derzeit könne man Mengen ab 1000 PrpSc-Molekülen identifzieren; nach heutiger Kenntnis dürften 105 bis 1010 Moleküle eine infektiöse Einheit bilden. SIFT soll zehnmal sensitiver sein als die Western-Blot-Analyse.

Bislang hat Kretzschmar die Methode erfolgreich zur Diagnose von PrpSc im Liquor von 24 CJD-Patienten eingesetzt. Derzeit sei sie noch im experimentellen Stadium und müsse erheblich verbessert werden, bevor eine breite Anwendung denkbar sei. Unklar sei ferner, ob sie auch im Blut funktioniert und zu welchem Zeitpunkt nach Infektion der Test positiv wird. SIFT könne auch andere Proteine aufspüren und sei beispielsweise zur Diagnose des b-Amyloid-Proteins bei Morbus Alzheimer verwendbar, sagte Kretzschmar in München.

BSE- und vCJD-Erreger sind identisch

Auch zum Zusammenhang zwischen dem BSE-Erreger und der neuen Variante der Creutzfeldt-Jacob-Krankheit (vCJD), die 1995/96 erstmals auftrat, nahm der Experte Stellung. Er hält die Erreger – wie auch der amerikanische Nobelpreisträger Professor Dr. Stanley B. Prusiner - für identisch und beruft sich dabei auf Experimente mit Mäusen.

Bei Prusiners Versuchen wurden transgene Mäuse eingesetzt, die statt normaler Prionproteine vom Maus-Typ solche vom Rinder-Typ produzieren. Wenn man die Nager mit Prionen von BSE-kranken Rindern und von vCJD-kranken Patienten infiziert, entwickeln sie nach ähnlich langer Inkubationszeit (rund acht Monate) die gleichen klinischen Erscheinungen und die gleichen typischen Veränderungen im Gehirn. Übertragen die Forscher aber Prionen von Scrapie-kranken Schafen, entsteht ein völlig anderes Bild. Dass die neue Variante der CJD rund zehn Jahre nach BSE auftritt, unterstützt nach Kretzschmars Worten den direkten Zusammenhang. Dies sei die untere Grenze der bisher bekannten Inkubationszeit. Top

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