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Reiseberatung ist stark gefragt

17.10.2005
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Reiseberatung ist stark gefragt

von Conny Becker, Berlin

Wird es hier zu Lande ungemütlich, zieht es viele in wärmere Regionen. Wie wichtig eine reisemedizinische Beratung ist, machten Tropenmediziner kürzlich in Berlin deutlich. Viele »unnötige« Gesundheitsprobleme können vermieden werden.

Etwa 50 Millionen Deutsche reisen jedes Jahr ins Ausland, zehn Millionen in Länder außerhalb Europas. »Dabei gab es in den vergangenen 20 Jahren einen deutlichen Anstieg älterer Reisender«, sagte Professor Dr. Erich Kröger vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf auf einem Pressegespräch im Auswärtigen Amt. So seien mittlerweile rund sechs Millionen Reisende älter als 70 Jahre und reisten zu zwei Dritteln ins Ausland. Demnach gehen auch immer mehr Patienten mit Diabetes mellitus oder Herzschwäche, aber auch mit Epilepsie oder Asthma auf Reisen. Während bislang der Schwerpunkt in der reisemedizinischen Beratung auf Infektionskrankheiten lag, werde er sich nun mehr und mehr Richtung Handhabung von chronischen Krankheiten oder Tauglichkeitsprüfungen für Flüge, Höhenwanderungen oder Tauchgänge verschieben.

»Jeder zweite Fernreisende hat unterwegs irgendein Gesundheitsproblem«, sagte Dr. Christian Schönfeld vom Berliner Institut für Tropenmedizin. Laut WHO-Schätzungen fühlt sich zudem jeder vierte Urlauber krank, jeder zwölfte muss einen Arzt konsultieren. Durchfallerkrankungen treten im Urlaub am häufigsten auf, gefolgt von Fieber. Dies sollte stets auf Malaria, Typhus oder Amöben überprüft werden, obwohl meist nur eine Erkältung dahinter steckt. Vergangenes Jahr sind beim Robert-Koch-Institut (RKI) 707 Malariaerkrankungen gemeldet worden, die leicht hätten vermieden werden können, sagte der Tropenmediziner. Denn rund 90 Prozent der Infektionen hatten sich Reisende im tropischen Afrika zugezogen, für das es eindeutige und einfache Empfehlungen für eine Chemoprophylaxe gebe. Drei Viertel hätten gar keine und ein Viertel eine falsche Prophylaxe praktiziert. »Mehr als 80 Prozent betrieben selbst im tropischen Afrika keine Mückenprophylaxe«, sagte der Tropenmediziner. Eine Kombination von mit Pyrethroiden imprägnierter Kleidung und DEET-haltigen (bis zu 50-prozentig) Hautschutzmitteln könne aber effektiv vor Stichen schützen.

Reisende sollten sich vier bis sechs Wochen vor Abreise beraten lassen, sagte Schönfeld. Hierzu stehen derzeit neben den Tropeninstituten etwa 4000 CRM-zertifizierte Ärzte und 3500 Apotheker, Pharmazieingenieure beziehungsweise PTAs deutschlandweit zur Verfügung, deren Adressen unter www.crm.de nach Postleitzahlen aufgerufen werden können. Ihre Kenntnisse beziehen sie auf einem deutschlandweit vom Centrum für Reisemedizin angebotenen zweitägigen Basisseminar, das mit einem Test abgeschlossen werden kann, der für den Erhalt eines Zertifikats notwendig ist. Bis Ende des Jahres sind noch sechs Fortbildungsseminare vorgesehen, die von den Landesapothekerkammern anerkannt und mit 16 Punkten bewertet werden. Alle zwei Jahre ist der Besuch eines eintägigen Auffrischseminars erforderlich. Grundlagen für die Fortbildung bilden ein internationales Informationsnetz und die CRM-Datenbank, die in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes, dem RKI sowie den Tropeninstituten stetig aktualisiert wird. Interessierte können sich an Michael Theissen vom CRM wenden unter Telefon (02 11) 9 04 29 66 oder per E-Mail an theissen@crm.de. Top

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